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March Madness: Doch die NFL schläft nicht

 
Autor: Dominik Breuer Montag, 12. April 2010
 

 

seattleIm Frühjahr sprechen alle von "March Madness", aber die NFL schläft nicht. Nach dem Super Bowl hat sich die Lage in der NFL zunächst beruhigt und die Nachrichten drehten sich meist nur um negative Schlagzeilen einiger Spieler oder die Verhandlungen zwischen der Spieler-Gewerkschaft und den Besitzern in der NFL. Wie wir nun alle wissen, gab es bei letzterem keinen Fortschritt, sodass die nächste Saison „uncapped“ gespielt wird. Doch was ist bisher in der Off-Season passiert?

 

Obwohl einige Teams nun mehr Geld ausgeben können als sie bisher durften und andere Teams finanzieren könnten, hatte diese Entwicklung zur Folge, dass die Free-Agency-Auswahl sehr geschrumpft ist. Viele Spieler, die eigentlich uneingeschränkt ihr Team verlassen dürften, sind nun weiter an ihren derzeitigen Arbeitgeber gebunden, sofern dieser das möchte.

Ich selbst habe mich nach dem Sieg der Saints etwas mit den Draft-Teilnehmern befasst und mich zwischenzeitlich dem Basketball gewidmet. Der März ist hier besonders interessant, weil viele wichtige Entscheidungen auf dem Weg zur College-Meisterschaft fallen und diese letztlich früh im April ausgespielt wurde. Nachdem Free-Agency im Football nebenher nur schleppend anlief, war nur wenig bahnbrechendes zu vermelden. Kurz vor dem Draft denke ich, kann man jedoch einmal auf einige Transaktionen blicken und schauen was sich daraus ergibt. Dabei beschäftige ich mich natürlich mit den Seahawks, möchte aber einige interessante Themen nicht unbeachtet lassen.

Seattle Seahawks: Seattle ist in einer wirklich schwierigen Situation. Mit Pete Carroll ist ein Trainer engagiert worden, welcher in der NCAA-Welt recht erfolgreich war und zuvor mit gemischten Ergebnissen in der NFL agierte. Nachdem er sich aus der NFL zurückgezogen hatte, machte er sich durch gutes Scouting und regelmäßige Erfolge bei USC einen Namen. Es ist nun abzuwarten, ob er wirklich reif für die NFL ist und seinen Erfolg transferieren kann. Zu oft sind College-Coaches in der NFL nicht so eingeschlagen, wie man es erhofft hat, da es erhebliche unterschiede im Spielverlauf, Tempo und natürlich dem Spielermaterial gibt. Das man zeitgleich auch auf der Ebene des Managers einen Neuanfang startet, wird Carroll dabei helfen, das Team wirklich umzurüsten und aktiv in den Draft und die Free-Agency einzugreifen.

Matt Hasselbeck ist wohl der Quarterback der Seahawks und auch der neue Trainerstab, scheint froh darüber zu sein, einen solch erfahrenen Spieler zu haben. Man kann dennoch nicht ausblenden, dass Hasselbeck in letzter Zeit sehr oft von Verletzungen geplagt wurde und nicht mehr der jüngste ist. Seattle war somit früh ein Kandidat für einen neuen Quarterback, vielleicht sogar mit einem der frühen Picks (#6 und #14). Für viele plötzlich und nur bedingt verständlich, wurde dann Charlie Whitehurst von den Chargers geholt. Er war dort dritter Mann auf der Depth-Chart und hatte lediglich Pre-Season-Spiele bestritten. Fraglich also, ob man dafür wirklich einen Draft Pick (Seattle gibt einen 2011er Pick auf und hat Picks in der zweiten Runde mit San Diego für 2010 getauscht) und viel Geld ausgeben möchte, bevor man weiss, was er leisten wird. Jedenfalls ist damit ein Quarterback als frühe Option im Draft wohl ausgeschlossen und man hofft, dass die Trainer und Beobachter in Whitehurst das richtige Potential erkannt haben. Ansonsten blieben die Seahawks recht ruhig in der Free-Agency. Zwar wurden einige Spieler entlassen (z.B. Deon Grant) und man sprach mit Brandon Marshall, doch wirklich große Akquisitionen blieben aus.

Trotz einiger kleinerer Aktionen bisher im Markt, bleibt für die Seahawks noch einiges zu tun. Dies wird wohl im Draft und auch in der Zeit zur Pre-Season deutlich werden. Seattle ist dafür bekannt während des Drafts noch ein paar Positionen zu tauschen, um die eigenen Vorstellungen realisieren zu können, ohne zu teuer einkaufen zu müssen. Durch die extra Tage zwischen den einzelnen Runden, dürfte dies unter Umständen verstärkt werden. Es steht fest, dass in Seattle eine stärkere Offensive-Line geformt werden muss. Walter Jones wird vermultlich nicht weiter spielen und mit den frühen Picks hat man die Möglichkeit einen guten Spieler zu bekommen. Gleichzeitig ist Seattle sehr flexibel, denn auch die Defense (Line und D-Backs) oder die Running-Backs könnten Verstärkung gebrauchen. Für all diese Positionen gibt es früh im Draft sehr gute Spieler und die Seahawks werden sich anschauen, was die andren Teams machen und ob es vielleicht interessante Tauschangebote geben wird.

Seattle ist eine große Baustelle und der neue Trainer hat keinen leichten Stand. Das gleiche konnte man letztes Jahr auch sagen, doch Jim Mora verfolgte auch das Verletzungspech erneut und einige Zweifel an seinen Entscheidungen trugen dazu bei, dass man sich in eine andere Richtung bewegen wollte. Auch Pete Carroll wird nicht direkt auf 16-0 ansteuern, sondern wird eine Anlaufphase brauchen. Eine ganz neue Perspektive, die er mitbringt, sowie einige neue Akteure können jedoch eine weitere kleine Verbesserung bedeuten. Das die Cardinals durch das Karriereende von Kurt Warner und einigen weiteren Abgängen getroffen werden, ist keine Garantie für Erfolg. Arizona hat weitere gute Spieler und San Francisco hat sich ebenfalls weiterentwickelt. Obwohl es sicher nicht die stärkste Division sein wird, so wird die NFC-West sicherlich mit Spannung und einigen Überraschungen aufwarten.

Was in der Off-Season sonst so auffiel: Die Steelers sind erstaunlich stark in den Schlagzeilen vertreten. Big Ben und Santonio Holmes haben sich angeblich daneben benommen und es drohen Sperren. Während man bei Big Ben abwartend agierte – aktuell scheint es keinen Handlungsbedarf mehr zu geben, da eine Anklage wohl nicht mehr droht - wurde Holmes recht zügig und günstig an die Jets abgegeben (2010er Pick in der 5. Runde). Die Jets sind sehr aktiv gewesen in dieser recht mageren Off-Season. Mit Holmes, Antonio Cromartie und LaDanian Tomlinson wurden ein paar sehr qualifizierte Spieler verpflichtet und weitere Gespräche laufen aktuell noch. Deutlich ist, dass die Jets ihr Passspiel verbessern wollen und ihre Abwehr noch solider, vor allem gegen den Pass, ausrichten möchten. Durch die aktive Transferpolitik, konnte man sich durch erfahrene Spieler verstärken, was etwas Druck von den Rookies nach dem Draft nehmen sollte.

Stichwort Draft: Während St.Louis vermutlich Sam Bradford draften werden, gibt es auch hier andere Möglichkeiten. Sie zeigten sich sehr beeindruckt von einigen anderen Kandidaten der QB-Gilde, welche wohl noch in der nächsten Runde zu haben sein dürften. Momentan bietet sich kein Team an, den #1-Pick im Tausch zu erfragen und die Quarterback-Situationen in der Liga scheinen auch recht abgeklärt. Somit ist es sogar denktbar – wenngleich unwahrscheinlich - dass die Rams vielleicht eher an der O-Line oder D-Line arbeiten werden und dann später einen Quarterback nehmen. Sollte es ein späterer QB werden, dass wohl nicht Tim Tebow. Selten hat ein Spieler, der nicht in den Top-5 gehen wird, so viel Aufmerksamkeit der Medien genossen wie Tebow. Wegen seiner unglaublichen College-Karriere und seinen vermeintlichen technischen Problemen wurde er beim Combine und beim Pro-Day sehr genau beobachtet. Man ist sich einig, dass er sich verbessert hat, doch die Zweifel an der NFL-Tauglichkeit bleiben bei vielen Kritikern. Tebows Persönlichkeit wird ihm sicherlich helfen, doch ob seine Technik auch dem hohen Tempo der NFL standhalten wird, muss sich zeigen. Ein Team ohne direkte Not auf der Position könnte ihn auswählen. Obwohl die zweite Runde schon als früh für Tebow gilt, gibt es vereinzelt sogar Meinungen, die ihn nach Tag 1 bei einem Team sehen. Gar so optimistisch bin ich nicht. Vermutlich wird es Runde 3 werden. Welches Team ihn draften wird ist weit offen. Jacksonville vielleicht? Oder gar die Panthers? Persönlich mag ich den Geheimtipp Patriots: Sie haben keinen wirklichen Backup, der Trainerstab ist in der Lage Tebow dahin zu bringen wo er sein muss und will und mit Tom Brady gibt es so schnell keinen echten Grund, Tebow ins kalte Wasser zu werfen.

Natürlich bleibt es weiter ein munteres Ratespiel, was in etwa zwei Wochen passieren wird, doch Spekulationen gehören zu diesem Teil der Saison. Nachdem die March Madness im Football ausgeblieben ist und es wenige Aufreger gab, könnte der April dafür umso interessanter werden.

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Blogs - Dominik Breuer

Dominik Breuer

 
dominik65x90Dominik Breuer ist seit Herbst 2008 für AFinsider.de tätig und vor allem für die AFinsider-Gamedays zuständig. Als gebürtiger Eifler ist er in den Niederlanden aufgewachsen, wo er momentan in Maastricht Finanzwesen studiert.
In seinen Blogs findet man nebst aktuellen Themen und Fantasy-Football auch Kommentare zu seinen Lieblingsteams, den LSU Tigers und Seattle Seahawks. Nebst Football sind auch andere Sportarten kein Tabu, weshalb er sich unter anderem auch gerne mit Fußball beschäftigt.