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Kyle Orton: Vom Game-Manager zum Matchwinner

 
Autor: Fabian Landwehr Sonntag, 26. Oktober 2008
 

Beide trainierten abwechselnd mit der Nummer-1- und der Nummer-2-Offensive, aber keinem von beiden gelang es, sich entscheidend vom anderen abzusetzen. Hatte Grossman einen guten Tag und warf einen guten Pass nach dem anderen, während Orton nur wenig gelang, war es am nächsten Tag wieder anders herum. Auch in den vier Spielen der Pre-Season konnte sich keiner für den Stammplatz empfehlen, lediglich der ungedraftete Rookie-Quarterback Caleb Hanie machte auf sich aufmerksam und wurde mit einem Platz im Roster der Bears belohnt. 

Vor dem letzten Pre-Season-Spiel gegen die Cleveland Browns entschied sich Lovie Smith für das damals vermeintlich kleinere Übel und machte Kyle Orton zum startenden Quarterback. Doch was musste Orton sich im Vorfeld alles anhören: Er hätte einen „Nudelarm" und sei unfähig, tiefe Pässe zu werfen. Auch haftete ihm zu diesem Zeitpunkt noch das Image eines Game Managers an, der ein Spiel kontrolliert, es nicht allein durch spektakuläre Pässe - wie Grossman - gewinnt, aber es auch nicht verliert - so wie Grossman, der in seinen fünf Jahren als Starter auf 33 Interceptions und nur 31 Touchdown-Pässe bringt. Viele Kritiker erwarteten, dass Grossman nach ein paar Spielen den Job als Quarterback wieder übernehmen würde. Doch Kyle Orton erweist sich für die Trainer und vor allem für die Fans zu einem wahren Glücksgriff. Kyle Orton warf bisher für 1.669 Yards in sieben Spielen - und das für ein Team, das für sein Laufspiel und seine Runningbacks und nicht für seine Quarterbacks berühmt ist. Doch als die Gegner der Bears sich immer mehr auf die Verteidigung des Laufspiels von Rookie-Runningback Matt Forte konzentrierte, tat Kyle Orton das, was niemand von ihm erwartete: er gewann Spiele. Er legte seine Schwäche, die tiefen Pässe, weitestgehend ab und erzielte am 5. Oktober 2008 im Auswärtssieg gegen die Detroit Lions 334 Pass-Yards - die meisten seiner Karriere. Wenn es so weitergeht, wird Orton für über 3800 Yards werfen - das gelang den Bears bis jetzt nur zwei mal in ihrer Geschichte. 

Orton verbesserte sich von Woche zu Woche und gewinnt immer mehr an Selbstvertrauen. Er beherrscht das Playbook der Bears in- und auswendig, anders als in seiner Rookie-Saison 2005, in der er die Bears mit einem vereinfachten Offensivschema zu einer Saisonbilanz von 11-5 und in die Playoffs führte. Auch die Tatsache, dass die Bears keinen klaren Nummer-Eins-Receiver haben, spielt ihm in die Karten. So kann Orton den Ball auf mehrere Receiver verteilen, ein ähnliches System spielte er bereits auf dem College in Purdue. 

Orton arbeitet mit einer No-Huddle-Offense, d. h. er sagt die Spielzüge, die ihm von Offensivkoordinator Ron Turner, den viele Bears-Fans vor der Saison 2008 am liebsten aus der Stadt gejagt hätten - an der Line of Scrimmage an. Er steht wie ein Fels in der Brandung hinter seinem Center Olin Kreutz, wendet sich von links nach rechts, sagt den Spielzug an und behält dabei immer die gegnerische Defense im Auge. Ebenso passt er den Spielzug an den Gegner an und bringt damit die gegnerische Defensive aus der Balance. Dies gelang ihm vor allem gegen die Philadelphia Eagles, deren gefürchteter Blitzdefensive er den Zahn zog. 

Na, an welchen Quarterback mit der Rückennummer 18 erinnert Orton dabei? Natürlich kann Kyle Orton Peyton Manning nicht das Wasser reichen, aber die grundlegenden Dinge machen beide gleich. 

Aber wo viel Licht ist, ist auch Schatten. Auch wenn Orton gezeigt hat, dass er einen starken Arm hat und tiefe Pässe werfen kann, ihm fehlt manchmal bei diesen Pässen das nötige Gefühl, damit seine Receiver den Ball leichter fangen können. Man denke dabei an die beiden Pässe auf Marty Booker in der gegnerischen Endzone in der ersten Halbzeit des Spiels gegen die Minnesota Vikings, die Booker beide nicht fing. Aber auch hier zeigt sich, dass Orton, den seine Mitspieler zum Kapitän der Offense wählten, genug Selbstbewusstsein hat: in der Halbzeitpause ging er zu Booker und ließ ihn wissen, dass er weiter auf ihn passen werde - dabei sprang schließlich noch der Touchdown für Booker heraus.

Die Zukunft wird zeigen, ob die Fans der Bears nicht mehr mit einem Achselzucken antworten müssen, wenn sie nach ihrem Quarterback gefragt werden oder mit einem Kopfschütteln. Denn viele Kritiker sind der Meinung, dass Orton bloß eine Überganslösung für den nächsten Draft, der einige gute Quarterbacks enthalten wird, sei und einen Lauf hat, der durch die Bye-Week beendet werden könnte. Dagegen fordern seine Befürworter, dass die Bears ihr Scheckbuch öffnen und Orton einen langfristigen und hoch dotierten Vertrag anbieten sollten. Was auch immer geschehen wird, die Bears sollten und werden nichts überstürzen, was die Quarterback-Frage angeht.

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