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Favre - Eine Legende zerstört sich selbst!?
Geneigter Leser, verehrte Kollegen, da schreibe ich nun also den ersten Beitrag für NFL-Insider und dann direkt mal ein kontroverses Thema. Obendrauf noch ein Pfund eigene Meinung und ich stehe in den Startlöchern für angeregte Diskussionen... also: Auf! Auf!
Dass Brett Favre sicher nicht nur einer bekanntesten, sondern vielleicht auch engagiertesten, einsatzfreudigsten und charismatischsten Quaterbacks unserer Zeit ist, daran wird niemand zweifeln. Zu beeindruckend die Geschichten um ihn, der nach dem Tod seines Vaters ein Playoff-Spiel bestreitet und oft genug verletzt auf dem Feld gestanden hat, frei nach dem Motto: Der Körper stört nur auf dem Weg zur Legendenbildung!
Freilich, Favres Zahlen sind natürlich alles andere als bombastisch. 464 Touchdowns bei 310 Interceptions in 18 Jahren zeigen vor allem auf, dass Favre nicht den präzisen Arm hat. Zum Vergleich, Peyton Mannings Zahlen sind da schon anders. In dessen zehn Jahren warf er 333 Touchdowns und „nur“ 165 Interceptions. Favres Zahlen machen das deutlich, woraus seine Karriere insbesondere bei den Green Bay Packers bestand: Spiel hinter löchrigen O-Lines, permanenter Druck der gegnerischen D-Lines und trotzdem immer versuchen, seine Mannschaft zum Sieg zu führen.
Genau diese beiden Seiten der Medaille des Brett Favre zeigte sich in den letzten beiden Playoff-Spielen für die Packers 2007. Im Divisional Playoff gegen die Seahawks zeigte er eine makellose Leistung: 18 von 23 Pässen kamen für 173 yards an, obendrauf noch drei Touchdowns und ein souveräner 42:20 Sieg. Nur eine Woche später dann wieder Favre wie man ihn kennt. Im Conference Championship Game gegen die späteren Superbowl-Sieger der New York Giants schafft er 19 von 35 Pässen anzubringen, immerhin für 236 yards, aber neben zwei Touchdowns auch zwei Interceptions. Klar, die Zahlen haben sicher auch andere Gründe (frühe Führung gegen früher Rückstand, starkes/ schwaches Laufspiel, u. a.), aber ich finde sie zeigen das, was Favre ausmacht: Immer bemüht, immer kampfbereit und immer hingebungsvoll für seinen Sport.
Doch dann kam der Wechsel zu den Jets, als alle schon damit rechneten, dass Favre in den Ruhestand geht. Allein das hat die ersten Kratzer auf seinem Denkmal bei den Cheddarheads hinterlassen. Eine eher durchwachsene Saison und das Verfehlen der Playoffs mit den Jets haben den Ruhm nicht gerade gemehrt. Spätestens jetzt rechneten wohl alle mit dem Ende einer Hall of Fame-Karriere. Doch wieder kam es anders. Jetzt denkt der alte Mann tatsächlich darüber nach, bei den Vikings (!?) anzuheuern. Von den Green Bay Packers zu den Minnesota Vikings!? Ich meine, ich kenne mich nicht so gut aus, aber mir war so, dass es gerade in der NFC North durchaus etwas wie alte Rivalitäten gab!? Dann wechselt er zu den Vikings!?
Ich meine, es ist ja rührig, dass es Favre anscheinend so geht wie „Cap' Rooney“ aus „Any Given Sunday“, der einfach nicht aufhören will, weil Football alles ist was er kann, weil er die Jungs vermisst, die seine zweite Familie geworden sind. Umso toller, dass anscheinend seine neuen Teamkameraden ihn anrufen und zum Weitermachen überreden wollen. Es passt in das mythische Bild der echten Männerfreundschaften, aber sollte Favre tatsächlich bei den Vikings anheuern, wird sein Denkmal anfangen zu bröckeln, zumindest bei mir, und sicher nicht nur bei mir. So wenig ich als Bears-Fan auch Mitgefühl mit den Cheddarheads habe, aber das haben sie nicht verdient, dass ihr Held der letzten 15 Jahre sein Erbe so verspielt.
Also Brett, setze dich zur Ruhe, nimm deine Frau setz' dich in den Whirlpool und schau deinen Kindern bei was auch immer zu, und in fünf Jahren kehrst du einfach zurück, als Quaterback-Coach in irgendeinem College-Team und alles wird gut, und die Cheddarheads werden dich weiterhin lieben und ehren und an Sonntagen sogar ein paar Blumen an deinem Denkmal niederlegen.
Matthias Knauer
Matthias Knauer ist 30 Jahre alt. Als Neuling im Team von Afinsider.de hofft der Blogger dem Niveau und den Anforderungen der Kollegen und vor allem der zahlreichen Leser gerecht zu werden. In den letzten Zügen seines Studiums der Germanistik und Informationswissenschaft in Düsseldorf, ist er Fan der Chicago Bears und der Pittsburgh Steelers.
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