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Wenig Schatten, aber eine dicke Ladung Licht...

 
Autor: Matthias Knauer Donnerstag, 19. Januar 2012
 

sanfranciscoZugegeben, die 49ers haben mich ein weiteres Mal überrascht. Aber nicht nur die eindrucksvolle Defense gegen einen der stärksten Angriffe der Liga gab da den Ausschlag, sondern vor allem das grandiose, mutige, absolut aggressive Playcalling. Chef-Trainer Jim Harbaugh und Offensive Coordinator Greg Roman haben alles gegeben....und Glück gehabt.

Als die 49ers ihre lukrative 17:0-Führung verspielt hatten und es auf ein furioses Finale zu ging, ließen die beiden Herren ihren Quarterback das Ding nach Hause bringen. Mit einem QB-Keeper schaffte es Alex Smith 28 Yards in die Endzone zu laufen. Das Besondere war nicht mal unbedingt der Lauf durch den Quarterback, Kollege Tim Tebow ist ja auch immer mal wieder zu Fuß unterwegs, sondern vor allem die grandiose Umsetzung. Der entscheidende Block von Left Tackle Joe Staley machte den Weg erst frei, und das 20 Yards hinter der Line of Scrimmage. Das war einfach stark und unwiderstehlich.

Dass dann ausgerechnet der Spieler, der seit Jahren seine Treue zur Franchise beweist und sich dort wohl zu einem der effektivsten Quarterbacks der Liga gemausert hat, den entscheidenden Touchdown fängt, rundete den Tag für die 49ers ab. Die Leistung der Saints ging in der eindrucksvollen Stimmung rund um den Candlestick Park unter. Drew Brees schaffte mit 63 Pass-Versuchen einen neuen Rekord, insgesamt warf er für 462 Yards, vier Touchdowns, aber eben auch zwei Interceptions. Entscheidend waren am Ende eben genau diese Ballverlust, zu denen noch drei verlorene Fumbles gehörten.

Am Ende haben wohl alle Zuschauer langsam wieder die verkrampften Finger aus der Sessellehne gezogen und sich gefreut, Zeugen einer durch und durch denkwürdigen Partie gewesen zu sein. Was nicht nur, aber natürlich auch, an den vier Führungswechseln in den letzten gut vier Minuten gelegen hat. Danke Saints, danke und Glückwunsch 49ers.

newenglandGegen die erste Partie hatte es die Partie zwischen Broncos und Patriots kaum etwas zu entgegnen. Ich muss es direkt mal zugeben: Zur Halbzeit bin ich schlafen gegangen. Klar, Mr. Tim „US-Sportler des Jahres“ Tebow war im Vorfeld groß gehandelt worden, erst recht nach dem Sieg gegen die Steelers. Aber mit welcher Konsequenz Tom Brady und Konsorten auf der anderen Seite das Team aus Denver sezierte, war große Kunst und macht die Patriots wohl mal wieder zu einem Favoriten auf das Finale.

Mit Rob Gronkowski haben die Pats wohl den besten Tight End/ Wide Receiver der Liga in ihren Reihen und Brady machte so gut wie keine Fehler. Tebow hatte am Ende des Tages genau neun (!) Pässe zugestellt und weitere 17 Mal seine Ziele verfehlt bzw. wurden die Pässe nicht gefangen. Dass man mit einer solchen Leistung keinen Blumentopf, geschweige denn ein Divisional Playoff Spiel gegen die Pats gewinnt, dürfte jedem klar sein. Zudem gelang es New Englands Defense, reichlich Druck auf die O-Line der Broncos auszuüben. Tebow lief zwar immer mal wieder, doch blieb es relativ lahm bei nur 13 Yards, musste aber als Passer auch gleich fünf Sacks kassieren.

Interessanterweise gab es nach dem Spiel vor allem zwei Dinge, über die die Analysten diskutierten. Erstens machten sie sich dafür stark, dass Tebow in die Camps für die neue Saison das Vertrauen seiner Coaches genießen sollte und als designierter Starter loslegen sollte. Gut, dass lass ich mal dahin gestellt, ich mag nicht über Quarterbacks reden, die mein Verständnis der Position zerstören. Aber es wird wohl darauf hinauslaufen, gibt es doch Gerüchte, dass die Broncos für die neue Saison ohnehin bisher nur einen Quarterback im Kader haben, nämlich jenen Tebow.

Zweitens musste sich Bill Belichick, der Chef-Trainer der Patriots, einige Kritik gefallen lassen. Was war passiert? Belichick hatte es sich trotz der deutlichen 35:7 Führung zur Halbzeit nicht nehmen lassen, seine Starter spielen zu lassen. Auch darüber ließe es sich natürlich herrlich streiten. Ist es nicht sinnvoll, seine Starter zu schonen und vor Verletzungen zu schützen? Führt man bei der Einwechslung aller Backups den Gegner nicht vor? Ist es besser, die Starter auf dem Feld zu lassen, damit diese den Rhythmus nicht verlieren. Am Ende ist klar, dass es Coach Belichick ohnehin anders macht, als „man“ es so macht. Der Erfolg gibt ihm eben recht.

baltimoreBei den Texans und den Ravens hatte es so gut angefangen. Ein schwungvoller Start, eine ausgeglichene Halbzeit und ein ausgeglichener Halbzeitstand. Einer spannenden Fortsetzung stand im Grund nichts entgegen. Doch dann entschieden sich Ravens und Texans, dass sie das Spiel mal ihren Defensiven überlassen.

Dass aber eine engmaschige Verteidigung, die dem Gegner kaum Raumgewinn zusteht, zwar sauspannend ist und für die Fans der Verteidigungskunst ein Hochgenuss ist, sei's drum. Auch der Rundballer Beckenbauer gewinnt einer lahmen Championsleague-Partie noch einen „taktischen Hochgenuss“ ab. Für den durchschnittlichen Zuschauer sind aber Punkte das Salz in der Suppe. Also machen wir uns nichts vor, die zweite Halbzeit war zum Einschlafen.

Ausgenommen der Forth-Down-Stand der Texans, als es Runningback Ray Rice nicht schaffte den Ball aus einem Yard in die Endzone der Texans zu bringen. Am Ende zahlte sich dann doch die Erfahrung aus. Die Ravens nutzten die Gelegenheit und brachten mit den einzigen Punkten in der zweiten Halbzeit das Spiel unter Dach und Fach. Wieder einmal machte Ed Reed seinem Ruf als DER Pass-Abfänger seinem Namen alle Ehre, als er den letzten Versuch der Texans abfischte.

Damit endete die erste Playoff-Saison der Texans gegen die Ravens, wobei in der Partie schon ein wenig deutlich wurde, dass sie gerade auf der Playoff-Position nicht gerade optimal angetreten waren. Mit Blick auf die Zukunft könnte es aber nicht die letzte Playoff-Saison in den nächsten Jahren gewesen sein. Für die Ravens gilt es nun die Patriots einzubremsen. Die werden allerdings in Bestform antreten.

newyorkgiantsAbgerundet wurde der Spieltag dann von den Giants und den Packers und hätte ich gewettet, ich hätte verloren. Mich hat es schon überrascht, wie deutlich die Giants am Ende gewonnen haben. Eli Manning und seine Jungs scheinen den Weg gefunden zu haben, wie die Packers zu schlagen sind. Mit Blick auf die blanken Zahlen überrascht es doppelt. Zwar ist Aaron Rodgers nur knapp über der 50%-Marke der zugestellten Pässe geblieben, aber entscheidender sind mal wieder die Ballverluste. Gleich drei verlorene Fumbles brachen den Packers am Ende das Genick.

Wenn man sich die Highlights mitunter noch mal ansieht, fällt einem vor allem eins auf. Eli Manning hatte phasenweise so viel Zeit hinter seiner Offensive Line, dass man manchmal fast schon selbst ganz zappelig wird. „Da muss doch mal ein Verteidiger kommen“, ging es mir immer wieder durch den Kopf. Doch da kam nur sehr selten jemand durch die weiß-blaue Wand, am Ende war es ein Sack. Andersherum hatte Rodgers oft genug mit den Verteidigern der Giants zu tun, die am Ende der Partie vier Sacks gesammelt hatten. Der permanente Druck machte Rodgers phasenweise schwer zu schaffen. Überraschenderweise funktionierte die sonst so sichere Verbindung zu seinem Wide Receiver Greg Jennings nicht so recht, wo hingegen Manning, Victor Cruz (Ein Name wie aus einer CSI:Miami-Folge!) und vor allem Hakeem Nicks auf das Beste harmonierten.

Für die Analysten war die Partie der Giants ein Indikator. Nicht selten las man davon, dass die Giants nun ein klarer Favorit für den Superbowl sind. Auch ich werde wohl um einen Tipp für das kommende Wochenende nicht herumkommen. Wir werden die Patriots und die 49ers in Indianapolis sehen.

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