Welker ist kein Gronkowski

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Autor Marcus Blumberg

newenglandDas wohl unvorhersehbarste Team der NFL, wenn es um Personalentscheidungen geht, sind die New England Patriots. In der vergangenen Woche sorgten sie einmal mehr für Aufsehen mit einer Vertragsverlängerung, die es so auch noch nicht oft gab in der National Football League. Eine andere Transaktion war dagegen längst überfällig und überraschte eigentlich niemanden mehr.

Darüber hinaus stellen sich im Anschluss an die neue Situation einige Fragen, die die nahe und ferne Zukunft der Organisation betreffen.

Gronkowski verlängert

Gronkowski
Rob Gronkowski - Foto von jdn (CC-BY-SA)

Einer der wohl besten Draftpicks der Patriots in den letzten zehn Jahren war sicherlich Tight End Rob Gronkowski. Er kam mit dem 42. Pick im Jahr 2010 und wurde damals von vielen als Risiko angesehen, da er zuvor eine ganze Saison am College aufgrund einer Rückenverletzung verpasst hatte. Head Coach Bill Belichick sah dennoch das große Talent des heute 23-Jährigen und zog ihn in der zweiten Runde.

Schon 2010 spielte er stark auf und glänzte mit zehn Touchdowns. 2011 brachen dann alle Dämme und „Gronk“ zerschmetterte alle relevanten Saison-Rekorde seiner Position mit 17 Touchdowns, 90 Receptions und 1.327 Yards. Zahlen, die selbst Größen wie Shannon Sharpe, Tony Gonzalez oder Antonio Gates in den Schatten stellen.

Er geht nun in seine dritte Saison und hatte eigentlich noch Vertrag bis Saisonende 2013. Kein Grund zur Eile also, sollte man denken. Doch Gronkowski und sein Agent Drew Rosenhaus wollten Sicherheit für die Zukunft und eine Gegenleistung für die bislang schon überragenden Leistungen. Normalerweise beißt man zu dem Zeitpunkt bei den Patriots auf Granit.

Nicht jedoch in diesem Fall! Die Patriots wissen, dass sie wohl den besten Spieler auf dieser Position in der Liga haben und sie wissen, dass die Gehaltsobergrenze in den kommenden Jahren nicht wesentlich ansteigen wird. Heißt also: Es gab keinen Grund zu warten. Der Spieler gibt freiwillig seinen Verhandlungsvorteil Free-Agency ab und erhält dafür mit einem Rekordvertrag in Höhe von 54 Millionen Dollar (18 Millionen garantiert) die angemessene Gegenleistung.

Es ist also wieder einmal gelungen, eines der herausragenden Eigengewächse langfristig zu binden, wie es bereits mit Leuten wie Tom Brady, Vince Wilfork oder Logan Mankins zuvor gelang. Der Kern wird zusammenbleiben und weiterhin dafür sorgen, dass das Team konkurrenzfähig bleibt.

Was wird aus Welker?

Das Thema der Offseason in New England ist und bleibt Wes Welker. Der Wide Receiver hat zwar seinen Franchise Tag für ca. 9,5 Millionen Dollar unterzeichnet und ist damit fest unter Vertrag für 2012. Doch er will auch langfristige Sicherheit und wirkt unzufrieden, wie er vor Monatsfrist auch via Twitter kundtat.

Der Gronkowski-Vertrag sollte aber auf Welker keinen Einfluss haben, zumal die Rahmenbedingungen komplett andere sind. Gronkowski ist zunächst einmal 23, nicht 31.

Dann ist Gronkowski jemand, der den Unterschied ausmacht. Der beste Tight End der Liga und jemand, den man eigentlich nicht stoppen kann. Welker ist zwar weiterhin derjenige, welcher die meisten Bälle in der NFL fängt. Aber er ist kein Game-Changer. Er ist ein, wenn nicht der beste Slot-Receiver, aber um ihn zur Geltung kommen zu lassen, muss man Räume kreieren. Die Offensive der Patriots macht dies sehr gut. Dennoch scheint es fraglich, ob Welker woanders genauso erfolgreich spielte wie in diesem System.

Aaron_HernandezAaron Hernandez - Foto von Jeffrey Beall (CC-BY-SA)

 

Will sagen: Kommt es hart auf hart, ist Welker entbehrlich, Gronkowski nicht. Und das wissen die Patriots. Wenn ein Tom Brady sagt, wie gern er mit Welker zusammenspielt, hat das zwar Gewicht, ist aber kein Grund, ihn zu halten. Bestes Beispiel dafür ist Deion Branch, den Brady auch liebte. Doch ihn ließ man anno 2005 auch einfach ziehen, weil er zu teuer wurde. Welker droht nach 2012 das gleiche Schicksal.

Was wird aus Hernandez?

2010 bescherte New England mit Aaron Hernandez noch einen zweiten herausragenden Tight End. Der Ex-Gator etablierte sich zu einer starken Ergänzung zu Gronkowski. Ein Matchup-Problem für jede Defense, weil man ihn sonst wo aufstellen kann. Er kann als Tight End, im Slot, auf der Seite oder sogar im Backfield auflaufen. Und er ist in allen Lagen gefährlich mit dem Ball.

Letzteres erinnert ein wenig an Welker, was dessen relative Entbehrlichkeit weiter untermauert. Auch Hernandez ist im dritten Jahr seines Vertrags, doch bei ihm spricht keiner über eine Vertragsverlängerung. Das hat jedoch nichts mit geringerer Wertschätzung zu tun, sondern mehr mit der Tatsache, dass Gronkowski einfach noch eine Klasse besser ist. Es ist jedoch davon auszugehen, dass auch Hernandez eines Tages einen neuen Deal bekommt, wenn er seine Produktion aufrechterhält.

Ochocincos unvermeidlicher Abschied

Bereits während der letzten Spielzeit war Chad Ochocincos Status ein beliebtes Thema der lokalen und nationalen Medien. Die Frage war permanent, wie lange der Wide Receiver noch zum Team gehören wird. „Wann wird er endlich entlassen?“

Die Antwort ist: Jetzt! Nach einem völlig enttäuschenden Jahr, in dem Nummer 85 ganze 15 Receptions für 276 Yards (1 TD) zustande brachte, zog man jetzt die Reißleine. Ochocino schaffte es zu keiner Zeit, sich ins Spiel der Patriots zu integrieren und wusste teilweise nicht mal, wo er denn zu stehen hatte. Das Resultat war die mit Abstand schlechteste Saison seiner Karriere.

Angesichts der zahlreichen Receiver, die man derzeit im Kader hat, war es ohnehin nur eine Frage der Zeit, bis die Entlassung offiziell wurde. Gespannt sein darf man nun, ob sich noch ein Team findet, das ihm eine Chance geben wird. Anscheinend haben die Miami Dolphins Interesse – deren Offense sollte eigentlich nicht annähernd so anspruchsvoll sein wie die der Patriots, so dass Ochocinco vielleicht doch noch mit respektablen Leistungen aufwarten könnte. Oder hat er einfach nichts mehr im Tank?

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