Super Bowl XLVII: Head-to-Head

Hauptkategorie: Topstory
Autor Marcus Blumberg

sb_47_smallSuper Bowl XLVII wirft seinen Schatten voraus und es wird Zeit, die San Francisco 49ers und Baltimore genau unter die Lupe zu nehmen. In unserem Head-to-Head-Vergleich betrachten wir die einzelnen Mannschaftsteile und klären, wer auf dem Papier besser aufgestellt ist für den großen Showdown am kommenden Sonntag.

Neben den offensichtlichen Vergleichen zwischen Offensiv- und Defensivabteilungen nehmen wir auch die Special Teams sowie die Trainer und mögliche weitere Faktoren unter die Lupe.

Offense

Die Offensiv-Reihen der Baltimore Ravens und San Francisco 49ers sind von Grund auf verschieden. Während Baltimore eher auf ein klassisches System setzt und dabei das Hauptaugenmerk auf das Laufspiel legt, vertraut man in San Francisco eher auf die Read-Option.

baltimoreQuarterbacks

Ravens

Joe Flacco – 54,8 %, 853 YDS, 8 TD, 0 INT

Auch wenn Joe Flacco in der Regular Season nur eine durchschnittliche Leistung ablieferte und auch in den Playoffs nur knapp mehr als die Hälfte seiner Pässe komplettiert hat, spielt er in der Postseason fehlerfrei. Seine Spezialität ist der tiefe Ball, speziell auf Torrey Smith. Doch gerade gegen New England brachte er auch wichtige Pässe über mittlere Distanzen an den Mann. Hinzu kommt, dass Quarterbacks, die in einer Playoff-Saison mindestens acht Touchdowns und keine Interception geworfen haben, immer den Super Bowl gewannen.

Colin Kaepernick – 63,5 %, 496 YDS, 3 TD, 1 INT

Colin Kaepernick könnte der X-Factor dieses Super Bowls werden. Im Gegensatz zur Regular Season blieb der junge QB in der Postseason auch unter Druck meist ruhig und brachte seine Pässe an den Mann. Richtig gefährlich wird er aber, wenn es ihm gelingt, aus der Pocket auszubrechen und zu laufen. Bislang sammelte er so 202 Yards und zwei Touchdowns (181 YDS gegen Green Bay). Es braucht schon eine sehr disziplinierte Defensivleistung, um ihn in Schach zu halten.

Vorteil: Ravens

sanfranciscoOffensive Line

Ravens

Bryant McKinnie (LT), Kelechi Osemele (LG), Matt Birk (C), Marshal Yanda (RG), Michael Oher (RT)

Die Offensive Line der Ravens wurde zu Beginn der Playoffs in dieser Anordnung eingeführt und tat seither einen sehr guten Dienst. Man ließ in drei Spielen nur vier Sacks zu und gab Flacco damit die Zeit, die er braucht, um sein Spiel aufzuziehen.

49ers

Joe Staley (LT), Mike Iupati (LG), Jonathan Goodwin (C), Alex Boone (RG), Anthony Davis (RT)

Die Offensive Line der 49ers ist vielleicht die beste der NFL. Sie ließen in den Playoffs nur zwei Sacks zu und machen die Read-Option mit ihren präzisen Blocks überhaupt erst möglich. Die Line besteht aus drei früheren Erstrundenpicks (Staley, Iupati, Davis) und hat seit Jim Harbaugh seinen Dienst antrat, jedes Spiel gestartet.

Vorteil: 49ers

baltimoreRunning Backs

Ravens

Ray Rice – 64 ATT, 247 YDS, 2 TD
Bernard Pierce – 27 ATT, 169 YDS
Vonta Leach (FB)

Die nach wie vor wichtigste Angriffswaffe der Ravens ist Ray Rice. Kommt er ins Rollen, wird es schwer, ihn zu stoppen. Was ihn zum kompletten Paket macht, ist seine Fähigkeit, auch als Receiver aus dem Backfield zu agieren und damit Flacco noch eine weitere Anspielstation zu bieten. Bernard Pierce wiederum ist mehr als nur ein Backup und hat schon oft in brenzligen Situationen bewiesen, dass man ihm bedenkenlos das Leder geben kann. Hinzu kommt Vonta Leach, der ebenfalls ein guter Passempfänger ist und eine Art Notoption für Flacco darstellt, wenn es eng wird.

49ers

Frank Gore – 44 ATT, 209 YDS, 3 TD
LaMichael James – 8 ATT, 55 YDS, 1 TD
Bruce Miller (FB)

Frank Gore – vom NFL Network nur “The inconvenient Truth” genannt – ist ein Power Back erster Güteklasse. Auf ihn ist eigentlich immer Verlass und dank der Read-Option und dem Fokus der gegnerischen Defense auf Kaepernick, ist Gore jetzt noch gefährlicher, weil unberechenbarer. Ein Tackle alleine stoppt ihn in der Regel nicht. LaMichael James kam in seiner Rookie-Saison erst spät auf Spielzeit, ist jedoch mit seinem Speed die ideale Ergänzung zur puren Kraft von Gore. Wenn er kommt, muss die Defense ihren Stil komplett umstellen. Bruce Miller wiederum ist ein reiner Vorblocker.

Vorteil: Ravens

baltimoreWide Receiver & Tight Ends

Ravens

Anquan Boldin – 16 REC, 276 YDS, 3 TD
Torrey Smith – 9 REC, 198 YDS, 2 TD
Jacoby Jones – 4 REC, 91 YDS, 1 TD
Dennis Pitta – 10 REC, 137 YDS, 2 TD
Ed Dickson
Billy Bajema

Die große Stärke dieser Einheit ist ihre Vielseitigkeit. Man hat für jede Situation die passenden Leute. Anquan Boldin ist wohl die verlässlichste Option für alle Kurz- und Mitteldistanzwürfe. Er ist robust und hat sehr gute Hände. Er kann sowohl außen als auch über die Mitte bedenkenlos angespielt werden. Torrey Smith wiederum ist der eindeutige Home-Run-Hitter. Nahezu jeder tiefe Pass von Flacco geht auf ihn. Er hat den Speed und die Größe, um hier zu glänzen.

Jacoby Jones ist im Grunde die B-Besetzung für Smith und zudem sehr beweglich, sorgt häufig für viele Yards nach dem Catch. Tight End Dennis Pitta ist die beste Option über die Mitte und wohl auch in der Redzone, wenn es durch die Luft geht. Ed Dickson ist ähnlich begabt, während Billy Bajema ein reiner Blocking-Tight-End ist.

49ers

Michael Crabtree – 15 REC, 176 YDS, 2 TD
Randy Moss – 5 REC, 71 REC
Vernon Davis – 6 REC, 150 YDS, 1 TD
Delanie Walker

Gehen die Niners durch die Luft, ist Michael Crabtree die eindeutige Lieblingsanspielstation von Kaepernick. Er bekommt die meisten Pässe und fängt sie in der Regel auch. Er läuft zudem gut mit dem Ball und ist nicht so einfach zu Boden zu bekommen. Randy Moss ist eigentlich der Mann für tiefe Pässe, dadurch aber auch sehr selten wirklich in Aktion, weil das Team eher auf kürzere Pässe setzt. Man muss aber auf ihn aufpassen, denn den Speed hat er noch. Vernon Davis ist für einen Tight End sehr schnell und ebenfalls jemand, der gut mit dem Ball läuft. Delanie Walker ist ebenfalls sehr beweglich und taucht gerne auch mal im Backfield auf.

Vorteil: Ravens

Die Geschichte der Baltimore Ravens

Defense

Die Defenses beider Teams lassen sich insofern gut miteinander vergleichen, weil beide auf dasselbe 3-4-Grundsystem vertrauen.

sanfranciscoDefensive Line

Ravens

DE Haloti Ngata
NT Ma’ake Kemoeatu
DE Arthur Jones

Der Star der D-Line ist natürlich Haloti Ngata, der mit seiner ganzen Wucht immer wieder Lücken in die gegnerische O-Line reißt. Damit hilft er sowohl gegen den Lauf, als auch gegen den Pass. Insgesamt machte das Team einen guten Job an der Line of Scrimmage.

49ers

DE Justin Smith
NT Isaac Sopoaga
DE Ray McDonald

Ähnlich wie Ngata ist auch Justin Smith ein Zerstörer an der Front. Wenn er voll da ist, hilft er nicht nur in der Laufverteidigung, sondern zieht auch noch Aufmerksamkeit in der Passverteidigung auf sich, was den Weg freimacht für andere Pass Rusher. Allerdings leidet er merklich unter seinem Muskelriss im Arm, was ihn gerade im Pass Rush behindert.

Vorteil: 49ers

sanfranciscoLinebacker

Ravens

OLB Terrell Suggs
ILB Dannell Ellerbe
ILB Ray Lewis
OLB Paul Kruger

Ray Lewis brachte es in drei Spielen auf überragende 44 Tackles. Das spricht natürlich auch gegen seine Defensive Line, doch er stellte unter Beweis, dass an ihm kaum ein Vorbeikommen ist. Zudem steigerte sich Terrell Suggs von Woche zu Woche und ist weiterhin der beste Pass Rusher im Team.

49ers

OLB Aldon Smith
ILB Patrick Willis
ILB NaVorro Bowman
OLB Ahmad Brooks

Gerade Aldon Smith steht natürlich nach seinen 19 ½ Sacks für den Pass Rush der Niners. In den Playoffs gelang den Linebackern bisher aber nur ein Sack und der steht auf dem Konto von Patrick Willis. Dieser ist aber naturgemäß eher für die Laufverteidigung eingeplant, während Nebenmann NaVorro Bowman der Cover-Spezialist ist. Ahmad Brooks mag zwar ein wenig im Schatten der anderen stehen, ist aber vielleicht der wichtigste Spieler dieser Einheit, weil er eigentlich in allen Belangen stark ist.

Vorteil: 49ers

sanfranciscoSecondary

Ravens

CB Cary Williams
FS Ed Reed
SS Bernard Pollard
CB Corey Graham

Fünf Interceptions in drei Spielen, davon zwei gegen Tom Brady. Die Secondary der Ravens stand bislang ziemlich gut da. Und das, obwohl Ed Reed bisher eher unauffällig blieb und in den letzten zwei Partien kaum Erwähnung fand. Bahnt sich da ein großes Spiel an?! Ansonsten zogen sich Williams und Graham in der Coverage meist gut aus der Affäre, während Bernard Pollard vor allem durch seine – hin und wieder übertriebene – Härte auffällt.

49ers

CB Tarell Brown
FS Dashon Goldson
SS Donte Whitner
CB Carlos Rogers

Die Statistiken der 49ers-Defense sind nicht so imposant, was aber daran liegt, dass sie nur selten auf dem Feld stand. Man hatte durchaus Probleme gegen die Falcons, aber in den entscheidenden Momenten war man zur Stelle. Brown und Rogers sind sehr starke Cover-Corner, während Goldson ein guter Playmaker ist.

Vorteil: 49ers

Die Geschichte der San Francisco 49ers

Special Teams

baltimoreKicker

Ravens

Justin Tucker

Tucker musste in der Postseason nur zweimal antreten und versenkte beide Versuche. Auch seine zwölf Extra-Punkte saßen. In der Saison traf er 30 von 33 Versuchen.

49ers

David Akers

Akers traf bei einem seiner zwei Versuche und war bei zehn Extra-Punkten perfekt. In der Saison vergab der 38-Jährige 13 seiner 42 Versuche und damit so viele, wie sonst keiner in der NFL.

Vorteil: Ravens

sanfranciscoPunter

Ravens

Sam Koch

Sam Koch präsentierte sich in den Playoffs mit einem Durchschnitt von 45,9 Yards zuverlässig und erreichte bei 19 Versuchen achtmal die 20-Yard-Zone, dreimal sogar die Zehn-Yard-Zone.

49ers

Andy Lee

All-Pro-Punter Andy Lee kam auf einen Durchschnitt von 47,3 Yards bei lediglich sechs Punts. Drei landeten innerhalb der 20-Yard-Linie, einer innerhalb der Zehn-Yard-Linie.

Vorteil: 49ers

sanfranciscoReturn-Spiel

Bewertet werden hier die Returner der Teams sowie die Return-Coverage.

Ravens

Jacoby Jones

Jones ist der Spezialist in Sachen Return-Spiel und returniert Kickoffs im Schnitt für 17,3 Yards, Punts für 13,7 Yards. Probleme hatten die Ravens in der Coverage und ließen zwei Touchdowns durch Trindon Holliday von den Denver Broncos zu.

49ers

LaMichael James
Ted Ginn Jr.

James trägt die Kickoffs im Schnitt über 21,8 Yards, während Ginn bei Punts auf einen Schnitt von zehn Yards kommt. Die Coverage der 49ers wies bisher keine großen Mängel auf.

Vorteil: 49ers

Head Coachsanfranciscobaltimore

Ravens

John Harbaugh

John Harbaugh ist in seiner fünften Saison bei den Baltimore Ravens und erreichte erstmals den Super Bowl, nachdem er im Vorjahr im AFC Championship Game gescheitert war. Er brachte das Kunststück fertig, in jeder seiner ersten fünf Spielzeiten mindestens ein Playoff-Spiel zu gewinnen.

49ers

Jim Harbaugh

Johns ein Jahr jüngerer Bruder ist in seiner zweiten Saison in der NFL und scheiterte ebenfalls im letzten Jahr in der Vorschlussrunde. Seine bislang wohl wichtigste Entscheidung war sicher die Ernennung von Colin Kaepernick zum Starter anstelle von Stamm-QB Alex Smith. Bislang trug die Entscheidung Früchte.

Unentschieden

baltimore„Intangibles“

Ravens

Es ist offiziell das letzte Spiel für Franchise-Legende Ray Lewis. Lewis ist das Gesicht der Baltimore Ravens und war der erste Spieler der von der damals neuen Baltimore-Franchise nach dem Umzug aus Cleveland im Draft gezogen wurde. Ihm will man natürlich einen gebührenden Abschied verschaffen. Hinzu kommt, dass wohl auch Ed Reed sein letztes Spiel für Baltimore bestreiten wird.

49ers

Es ist der sechste Super Bowl für die Franchise und die bisherigen fünf hat man allesamt gewonnen. Sprich: Die 49ers haben noch nie einen Super Bowl verloren. Hinzu kommt, dass die 49ers alle Spiele gegen die AFC East gewannen. Die letzten drei Teams, denen dies gelang, gewannen auch den Super Bowl in dem Jahr (Colts 2006, Saints 2009, Giants 2011).

Vorteil: Ravens

sanfranciscoFazit

Unter dem Strich liegen die 49ers in AFinsider.de-Head-to-Head-Vergleich hauchdünn mit 6:5 vorn (ein Remis). Fairerweise muss man sagen, dass der Punter-Vergleich auch andersrum hätte ausgehen oder ebenfalls ein Remis ergeben können. Es verspricht also eine enge Partie zu werden am Sonntag im Mercedes-Benz Superdome in New Orleans, LA.

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