Der Krug ist gebrochen

Hauptkategorie: Topstory
Autor Marcus Blumberg

gamedayfinalDie Championship Games sind gespielt, die zwei Super-Bowl-Teilnehmer stehen fest und bei den Verlierern beginnt das Wunden Lecken und die Ursachenforschung. Wir beteiligen uns daran und fragen uns, woran es denn nun gelegen hat.

Warum sind die New England Patriots so eindeutig an den Denver Broncos gescheitert? Und was lief schief bei den San Francisco 49ers, die dieses Mal doch so nah an einen Sieg in Seattle herankamen?

AFinsinder.de versucht, die wichtigsten Faktoren zu beleuchten, die zu den Niederlagen geführt haben.

Kaepernick gibt und Kaepernick nimmt

Es erscheint naheliegend, Colin Kaepernick für seine fatalen Fehler im letzten Viertel des NFC Championship Games vor den Bus zu werfen. Er warf zwei Picks und verlor einen Fumble, zudem hatte er zuvor mit einem Fumble einen weiteren Drive beinahe gekillt. Doch das wäre nur die halbe Wahrheit.

Sicher, am Ende erinnerte Kaepernick an die für ihn in Seattle so typische „Deer in the Headlights“-Form. Schon früh in besagtem Viertel merkte man, dass da was nicht mehr stimmt. Er vertrödelte einen Snap und musste dann eine Timeout verbraten. Wohl, weil der zwölfte Mann zu der Zeit zur Höchstform auflief. Kurz nach dieser Szene folgte schon die erste Interception genau in die Arme von Kam Chancellor, den er an der Seitenlinie komplett übersehen hatte.

Beim Fumble, den er verlor, wirkte er auch für einen kurzen Moment abwesend und verschlief förmlich den Spielzug. Bevor er zu sich kam, war der Ball schon auf dem Boden. Schluss war dann, als er seinen wohl größten und eigentlich auch vermeidbarsten Fehler im ganzen Spiel machte: Er warf in die Richtung von Richard Sherman und der Ball war weg – den Pick besorgte der überaus selbstbewusste Corner zwar nicht selbst, er bereitete ihn aber vor. Dabei war doch vorher klar, dass man nicht auf diese Seite werfen darf und zwar unter keinen Umständen…

Allerdings war es auch Kaepernick, der die Seinen überhaupt in eine Position brachte, das Spiel zu gewinnen. Denn über weite Strecken der Partie waren die Receiver abgemeldet und auch Frank Gore sah – wie üblich in Seattle – keinen Stich. Vernon Davis war eigentlich nur einmal im Blickpunkt, weil er beim Versuch einer Reception von Chancellor übelst umgewalzt wurde. Anquan Boldin hatte ebenso wie Michael Crabtree seine Momente, aber beide zusammen kamen lediglich auf neun gefangene Pässe. Und so war es einzig Kaepernick, der zeitweilig die furchteinflößende Defense des Gegners in Bedrängnis brachte. Und das hauptsächlich mit Spontanaktionen und nicht etwa mit designten Option-Läufen.

Seattle kam zwar eher schleppend ins Spiel, aber sie taten, was zu tun war, um zu gewinnen: Sie stoppten den Lauf der Running Backs und hielten die Receiver in Schach. Zudem gewannen sie den Turnover-Battle.

Defensiv wiederum schafften es die Niners nicht, Marshawn Lynch zu stoppen und es gelang auch nicht gänzlich, Russell Wilson in der Pocket zu halten. Meist sah das nicht so schlecht aus, aber bei den zahlreichen erfolgreichen tiefen Pässen hatte Wilson alle Zeit der Welt, die er sich meist selbst mit seinen Füßen erkaufte.

Unter dem Strich geht das Ergebnis in Ordnung, denn während Seattle gerade am Ende zur Höchstform auflief, ging den Gästen in eben dieser Phase die Puste aus.

Talibs Ausfall bedeutete das Ende

Die Denver Broncos waren Favorit vor dem Spiel, die New England Patriots aber nicht gänzlich chancenlos. Diese Einschätzung basierte allerdings darauf, dass die Gäste in Denver ein nahezu perfektes Spiel absolvieren. Doch das wurde schon früh obsolet.

Nachdem Wes Welker schon den zweiten Super-Bowl-Run der Patriots beendete (der Drop im letzten Super Bowl…), indem er Aqib Talib mit einer brutalen Attacke, die durchaus eine Flagge verdient gehabt hätte, aus dem Spiel genommen hatte, war die Messe gelesen. Ohne Talib war das komplette Defensiv-Konzept über den Haufen geworfen.

Ohne den Top-Corner mussten die Zweit- bzw. Drittbesetzung in der Depth Chart aufrücken, wozu weder Alfonzo Dennard noch Logan Ryan bereit waren. Das beendete die letzte Chance auf Gegenwehr der Defense gegen einen Peyton Manning, der ohnehin schwer zu stören ist. Die Hoffnung im Vorfeld war, dass man mit einer starken Coverage dem Pass Rush etwas mehr Zeit hätte einräumen können. So jedoch war der erste physische Feindkontakt für Manning der Handschlag nach dem Spiel.

Ohne Talib wurde dann das Fehlen von Vince Wilfork, Jerod Mayo und Tommy Kelly nochmal deutlich potenziert. Es war wie in dem bekannten Sprichwort: Der Krug geht solange zum Brunnen, bis er bricht. Und dieser Krug wurde in dem Moment zertrümmert.

Aufgrund einiger Ungenauigkeiten der Broncos – man denke nur an den Drop von Julius Thomas in der Endzone – zogen die Hausherren allerdings nicht noch deutlicher weg und ließen daher die Tür offen für die Patriots. Durchgehen konnten diese allerdings nicht und das bringt uns zum zweiten schwerwiegenden Ausfall des Spiels.

Tom Brady spielte miserabel und das hatte nichts mit der Defense der Broncos zu tun! Brady kam scheinbar überhaupt nicht mit der dünnen Höhenluft klar und überwarf mehrfach völlig offene Receiver. Direkt im ersten Viertel vergab er damit einen sicheren Touchdown für Julian Edelman. Doch das war nur einer der vielen Fehlschüsse. Kurz vor der Pause wäre wenigstens noch ein Field Goal drin gewesen, weil die Broncos aus unerfindlichen Gründen eine Timeout mit 30 Sekunden zu spielen Namen, bevor sie ihrerseits ein Field Goal schossen. Brady verfehlte Austin Collie deutlich.

Das Motto der Saison war, dass die Receiver zahlreiche Pässe fallenließen. Aber die Fehlleistung am Sonntag ging auf Brady, der keine guten Pässe warf. Sicher ließe sich trefflich spekulieren, ob das besser ausgehen hätte, wenn die schnellen Receiver wie Kenbrell Thompkins oder Josh Boyce fit gewesen wären. Oder was gewesen wäre, wenn Rob Gronkowski gesund wäre. Aber einige dieser Pässe waren so weit weg vom Ziel, der eine oder andere Zuschauer dürfte Flashbacks an Tebows Zeiten dort gehabt haben.

Zu allem Überfluss entschied sich auch noch Offensive Coordinator Josh McDaniels dazu, wieder mal zu tief in die Trickkiste zu greifen und das schon früh: Der tiefe Pass von Brady, der noch am ehesten hätte gefangen werden können, ging Richtung Matt Slater, der schon öfter bewiesen hat, dass er einen Pass auch dann nicht fangen könnte, wenn es um Leben und Tod ginge. Der Special-Teams-Captain spielt eigentlich nur in der Offense, wenn er blocken muss. Warum er in diesem Spielzug auf dem Feld stand, bleibt wohl McDaniels‘ Geheimnis.

Was die Broncos wiederum stark machten, war die Laufverteidigung. Man konzentrierte sich voll und ganz auf LeGarrette Blount, der folglich keinen Stich sah. Das gepaart mit Bradys Off-Day war alles, was man brauchte, um die Partie nach Hause zu schaukeln. Ein völlig verdienter und nie gefährdeter Erfolg für Denver.

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