Head-to-Head: Peytons O oder Shermans D?

Hauptkategorie: Topstory
Autor Marcus Blumberg

SB48Die Seattle Seahawks gegen die Denver Broncos in Super Bowl XLVIII. Das heißt auch: Die beste Defense der NFL trifft auf die beste Offense.

Doch wie sind die einzelnen Mannschaftsteile aufgestellt und wer hat in den einzelnen Mannschaftsteilen die besseren Karten?

Wie in den letzten Jahren schaut AFinsider.de wieder genau hin, stellt beide Teams vor und vergleicht, wer den jeweils stärkeren Eindruck macht.

Offense

denverQuarterbacks

Seahawks

Russell Wilson – 58,1 %, 318 YDS, 1 TD, 0 INT

Wilson ist sicherlich nicht an konventionellen Maßstäben zu messen. Er ist eher der mobile Typ Quarterback, der sehr häufig auf die Option zurückgreift und in den Playoffs vorwiegend mit Scramblings auf sich aufmerksam machte. Gegen die 49ers zeigte er dann aber auch einen durchaus brauchbaren Arm, nachdem er häufiger mit seinen Beinen für die eigenen Receiver Zeit erkauft hatte. Als Pocket-Passer wäre er dagegen verschenkt.

Broncos

Peyton Manning – 72,2 %, 630 YDS, 4 TD, 1 INT

Mannings Zahlen sind wie schon in der Regular Season verrückt. Sowas erreicht man sonst nur, wenn man „Madden“ ganz leicht stellt und sich einen schönen Tag macht. Bemerkenswert ist vor allem die Tatsache, dass er in den Playoffs keinen einzigen Sack kassierte. Mehr noch: Gegen New England wurde er nicht einmal von einem Gegenspieler berührt. Das lag größtenteils daran, dass er den Ball traditionell zügig loswurde.

Vorteil: Broncos

denverOffensive Line

Seahawks

Russell Okung (LT), James Carpenter (LG), Max Unger (C), J.R. Sweezy (RG), Breno Giacomini (RT)

Die O-Line der Seahawks sah viele Fluktuationen in der vergangenen Saison. Einige Spieler fehlten verletzungsbedingt, andere litten unter Formschwankungen. Die Folge: Viele Sacks. Wilson musste bereits sieben in den Playoffs einstecken und damit mehr als jeder andere. Das mag auch an seiner Art zu spielen liegen, aber diese O-Line hat immer mal wieder die eine oder andere Formschwankung. Was das Run-Blocking angeht, sind sie dort rigoros und kaum zu stoppen.

Broncos

Chris Clark (LT), Zane Beadles (LG), Manny Ramirez (C), Louis Vasquez (RG), Orlando Franklin (RT)

Auf dem Papier hat kein Team weniger Sacks einstecken müssen als die Broncos. Das liegt zwar hauptsächlich an Peyton Manning selbst, aber diese ersatzgeschwächte Gruppe trug ihren Teil dazu bei. Es fehlen der Starting Left Tackle und zwei Center. Dennoch merkt man es dem Team eigentlich nicht an.

Vortel: Broncos

seattleRunning Backs

Seahawks

Marshawn Lynch – 50 ATT, 249 YDS, 3 TD
Robert Turbin – 5 ATT, 15 YDS
Michael Robinson (FB)

Angeführt wird diese Einheit vom Mann, den sie “Beast Mode” nennen. Wenn Marshawn Lynch in selbigen schaltet, ist er nicht mehr zu halten. Er demonstrierte dies mal wieder eindrucksvoll gegen San Francisco und zuvor schon gegen die Saints. Er ist sowas wie der Motor der Seahawks-Offensive und als solcher essentiell für einen möglichen Erfolg seines Teams.

Broncos

Knowshon Moreno – 37 ATT, 141 YDS, 1 TD
Montee Ball – 22 ATT, 95 YDS

Das Laufspiel der Broncos war in den Playoffs nur bedingt effektiv und wurde klar vom Passspiel in den Schatten gestellt. Es erscheint daher fraglich, ob Moreno und auch Ball das Spiel an sich reißen könnten, wenn es sein müsste – etwa bei starkem Wind oder heftigem Schneefall. Beide sind fähige Läufer und auch meist zuverlässige Passempfänger.

Vorteil: Seahawks

denverWide Receiver & Tight Ends

Seahawks

Golden Tate – 5 REC, 44 YDS
Doug Baldwin – 8 REC, 136 YDS
Percy Harvin – 3 REC, 21 YDS
Jermaine Kearse – 3 REC, 69 YDS, 1 TD
Zach Miller – 4 REC, 36 YDS

Die Pass-Optionen von Wilson sind allesamt recht überschaubar. Einzig Harvin hat das Zeug dazu, wirklich herauszuragen. Doch die große Frage ist, wie fit er sein kann. Er spielte in der Regular Season ein Spiel, dazu die erste Halbzeit im Divisional Game. Ist er fit, wird er jedem Gegner Probleme bereiten. Was den Rest angeht, sind alle zu besonderen Momenten in der Lage, doch wirklich verlassen kann man sich auf keinen aus dieser Gruppe.

Broncos

Demaryius Thomas – 15 REC, 188 YDS, 2 TD
Eric Decker – 7 REC, 105 YDS
Wes Welker – 10 REC, 76 YDS, 1 TD
Andre Caldwell – 2 REC, 26 YDS
Julius Thomas – 14 REC, 161 YDS

Ganz anders die Broncos-Receiver: Diese Gruppe ist vielleicht die Beste in der Geschichte des Sports. Es gibt eigentlich keine Schwächen, zumal auch Welker von seiner Gehirnerschütterung zurück ist. Der beste Spieler hier ist Demaryius Thomas, während Decker eine hervorragende Nummer 2 ist. Die gefährlichste Anspielstation dürfte aber Julius Thomas sein, denn der Ex-Basketballer ist äußerst beweglich und schnell für einen Tight End. Er ist schwer zu covern und meist offen, wenn es zählt.

Vorteil: Broncos

Defense

seattleDefensive Line

Seahawks

DE Red Bryant
DT Tony McDaniel
DT Brandon Mebane
DE Chris Clemons

Wie die gesamte Seahawks-Defense zeichnet sich die D-Line durch Top-Athleten auf jeder Position aus. Neben den Genannten sind auch die Pass-Rush-Spezialisten Michael Bennett und Cliff Avril zu nennen, die jedem Quarterback das Leben schwer machen können. Zudem sind sie auch gegen den Lauf meist das überlegene Team.

Broncos

DE Malik Jackson
DT Sylvester Williams
DT Terrance Knighton
DE Shaun Phillips

Was dieser Linie an Pass Rush fehlt, machen sie durch ihre starke Mitte wieder gut. Gerade Knighton hat sich zu einem beeindruckenden Run-Stopper entwickelt und dürfte eine besondere Herausforderung für Lynch darstellen.

Vorteil: Seahawks

seattleLinebacker

Seahawks

WILL Bruce Irvin
MIKE Bobby Wagner
SAM K.J. Wright

Bobby Wagner war in den Playoffs bislang der präsenteste Linebacker seines Teams. Er scheint immer da zu sein, wenn es einem Ballträger gelingt, an der D-Line vorbeizukommen, hat folglich die zweitmeisten Tackles im Team. Wichtig wäre es für Seattle, dass Wright schnell in Form kommt. Nach seiner Fußfraktur fehlte er mehrere Monate und war folglich gegen San Francisco noch weit von seiner Bestform entfernt. Er wäre der ideale Gegner für Julius Thomas. Was Irvin angeht, muss man auf ihn bei gelegentlichen Blitzes aufpassen.

Broncos

WILL Danny Trevathan
MIKE Wesley Woodyard
SAM Nate Irving

Der auffälligste Spieler in diesem Bereich ist sicherlich Trevathan, der insgesamt eine ordentliche Saison absolviert hat. Da Gegner Denvers aber zumeist aufs Passspiel setzen, sind die Linebacker häufiger nicht im Bild oder gar auf der Bank. Gegen die Seahawks und deren Laufspiel könnten sie daher erstmals seit längerem auf eine harte Probe gestellt werden.

Vorteil: Seahawks

seattleSecondary

Seahawks

CB Richard Sherman
SS Kam Chancellor
FS Earl Thomas
CB Byron Maxwell

Die “Legion of Boom” wird angeführt vom selbsternannten besten Corner der NFL, Richard Sherman. Generell gilt, dass seine Seite Sperrgebiet ist und man dort einfach nicht hin wirft. Und auch wenn er selten geprüft wurde, brachte er es trotzdem auf acht Interceptions (Topwert der NFL). Die 49ers versuchten es eigentlich nur einmal in Shermans Richtung zu werfen. Das Ergebnis war die Interception, die das Spiel beendete. Auch der Rest der Defensive Backs ist beeindruckend. Thomas covert sehr viel Raum und ist immer für Interceptions gut, während Nebenmann Chancellor meist in die Box geht als zusätzlicher Helfer gegen den Lauf. Er führt das Team in Tackles an.

Broncos

CB Champ Bailey
SS Duke Ihenacho
FS Mike Adams
CB Dominique Rodgers-Cromartie

Passverteidigung ist nicht die Stärke des Teams, aber wenn man einen Topspieler hervorheben sollte, wäre es Rodgers-Cromartie. Er kann mit den meisten Receivern mithalten und ist mit seiner Athletik ein starker Playmaker. Auf der anderen Seite wird wohl Bailey spielen, nachdem Starter Chris Harris‘ Saison zu Ende ist. Eine weitere Möglichkeit wäre Tony Carter, womit dann Bailey im Slot gegen Harvin aufliefe.

Vorteil: Seahawks

Special Teams

denverKicker

Seahawks

Steven Hauschka

Seine beste Aktion in den Playoffs war die Weigerung im NFC Championship Game zu kicken. Er überzeugte seinen Coach auf offener Szene, den Versuch doch lieber auszuspielen. Pete Carroll beugte sich und Wilson warf daraufhin einen tiefen Touchdown-Pass, der die Partie endgültig drehte. Ansonsten versenkte Hauschka alle seiner sechs Schussversuche.

Matt Prater

Prater stellte in der Saison einen neuen Rekord mit einem 64-Yard-Field-Goal auf. Allerdings war das daheim in der dünnen Luft von Denver. Im MetLife Stadium hilft ihm das eher nicht. Dennoch ist er sehr zuverlässig und hat generell einen starken Fuß.

Vorteil: Broncos

seattlePunter

Seahawks

Jon Ryan

Seine Punts flogen in den Playoffs selten weit, davor hingen sie lange in der Luft, was es seinem Team ermöglichte, bei acht Punts keinen einzigen Return-Yard abzugeben.

Broncos

Britton Colquitt

Denver hat einen Punter? Ja und sein Name ist Colquitt. In den Playoffs hatte er nur einen Gastauftritt und kickte den Ball in die Endzone für einen Touchback.

Vorteil: Seahawks

denver

seattle

Return-Spiel

Seahawks

Doug Baldwin
Golden Tate

Baldwin und Tate zeigten sich bislang sehr effektiv bei Kickoff-Returns, während letzterer bei Punts eher mäßigen Erfolg hatte. In dieser Rolle wäre Harvin prädestiniert, aufgrund seiner Gesundheitsgeschichte wird man das im Super Bowl aber wohl nicht austesten.

Broncos

Trindon Holliday
Eric Decker

Holliday ist immer gefährlich was Kickoffs angeht, während sich Decker im Grunde exklusiv um Punts kümmert. Keiner war bei Punt-Returns in den Playoffs effektiver als Decker.

Unentschieden

seattleHead Coach

Seahawks

Pete Carroll

Carroll stand mit USC mehrfach im National Championship Game, dies wird nun sein erster Super Bowl. Er ist wohl der Hauptgrund dafür, dass die Seahawks überhaupt in Position sind, wieder im Spiel der Spiele zu stehen. Er hat die Organisation seit seiner Ankunft gehörig umgekrempelt und vielleicht das beste Team 2013 geformt. Zudem zeigte er mit der angesprochenen Situation um Hauschka auch, dass er durchaus offen ist für Input der Spieler, was sein Standing im Team sicherlich noch weiter gestärkt haben dürfte.

Broncos

John Fox

Fox steht zum zweiten Mal im Super Bowl. Auch er brachte eine Organisation wieder auf Kurs, die lange Jahre vor sich hin dümpelte. Allerdings muss man sich schon fragen, wie viel Fox in diesem Erfolg steckt und wie viel einfach der Präsenz von Manning geschuldet ist. Fox verpasste einige Wochen nach einer Operation am Herzen, ist nun aber wieder fit. Im Gegensatz zu seinem Kontrahenten gilt er eher als ruhiger, sachlicher Typ.

Vorteil: Seahawks

seattle„Intangibles“

Seahawks

Ginge es um das größte Ego auf dem Platz oder im Stadion, dann wäre das Duell längst entschieden. Richard Shermans Ego dürfte größer sein als New Jersey und von dessen Einstellung und Ausstrahlung lebt sein Team. Er reißt scheinbar alle mit und erfährt Unterstützung von Coach Carroll, der ebenfalls als positiv verrückter gilt. Die Frage wird nun sein, ob man dieses Selbstvertrauen nun auch auf den Platz bringen kann im für alle Beteiligten wichtigsten Spiel ihrer Laufbahn.

Broncos

In Denver geht es eigentlich nur um den ersten Titel seit John Elway und die Frage, ob Peyton Manning mit seinem potentiell zweiten Titel offiziell der größte QB überhaupt wäre. Das Team ist sehr geschlossen, keiner muckt auf und folglich sorgt auch keiner für Schlagzeilen – außer Von Miller, aber der ist verletzt.

Vorteil: Seahawks

denverBonus: Das Wetter

Stand Mittwoch werden für den Samstag Temperaturen im einstelligen Minusbereich erwartet mit geringer Chance auf Schnee und leichtem Wind. Dem Passspiel der Broncos dürfte das also nicht im Wege stehen, was ein großer Vorteil für Manning und die Broncos ist.

Vorteil: Broncos

seattleFazit

Auf dem Papier (7:5 Seahawks) wird es ein enges Duell. Allerdings besagt das berühmte Sprichwort auch, dass Defensive nun mal Meisterschaften gewinnt. Hier trifft erstmals seit 1990 wieder die Top-Defense auf die Top-Offense der NFL.

Damals gewann die Defense der New York Giants gegen die Offense der Buffalo Bills. Wenn es der Defense der Seahawks gelingen sollte, diese Offense in Schach zu halten, stünde einem Sieg von Pete Carrolls Team wenig im Wege.

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