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Doping? Halb so wild!

 
Autor: Marcus Blumberg Donnerstag, 13. Mai 2010
 

twifDer Defensive Rookie of the Year, Brian Cushing, wurde des Dopings überführt und für vier Spiele gesperrt. Da die positive Probe aus dem letzten September stammt, beschloss man nun, ihm den Award abzuerkennen und die Wahl zum Defensive Rookie of the Year zu wiederholen.

Willkommen zu This Week in Football. Wir haben mal wieder einen gedopten Spieler, den die Liga für die ersten vier Spiele gesperrt hat. Dieser Spieler ist kein geringerer als Brian Cushing, der Defensive Rookie of the Year von den Houston Texans.

Nun ist diese Nachricht noch nicht weiter schlimm, wenn man bedenkt, dass solche Meldungen mittlerweile leider zum Alltag in der NFL und im Sport insgesamt gehören. Die Tatsache, dass hier aber ein aktueller Award-Gewinner erwischt, der sogar in seiner preisträchtigen Saison überführt wurde, hat es so wohl noch nicht gegeben.

Genau genommen wurde er im letzten September positiv auf HCG getestet, ein weibliches Fruchtbarkeitspräparat. Mit einem Augenzwinkern kann man also zu seiner Verteidigung annehmen, er wollte schwanger werden…

Ernsthaft betrachtet hingegen wird dieses Mittel auch dazu verwendet, den Testosteronspiegel nach einer Steroidkur wieder auf ein normales Level zu senken. Steroide sind im Grunde künstliches Testosteron, das es dem Körper ermöglicht, mehr Anstrengung zu verkraften. Man wird ausdauernder, kann so länger und intensiver trainieren und baut somit schneller und effektiver Muskelmasse auf. Das nur zur Information.

Das Problem bei der Steroidnutzung ist aber eben, dass dadurch noch Wochen später der Testosteronspiegel deutlich über dem Normalniveau liegt. Dopingkontrolleuren würde also sofort ein Missbrauch von leistungssteigernden Mitteln auffallen. Und hier kommt z.B. HCG ins Spiel.

Im Klartext heißt das, man kann in diesem Fall Cushing zwar nicht nachweisen, dass er mit Steroiden gedopt hat, jedoch steht auch HCG auf der Anti-Dopingliste und die Indizien sprechen klar gegen den Spieler.

Als Reaktion darauf wurden ihm von der Associated Press seine Awards für den Defensive Rookie of the Year und den besten Outside Linebacker des Jahres entzogen und beide Preise zur Neuwahl freigegeben. Und ob er nun wiedergewählt wird oder nicht, soll jetzt mal egal sein.

Viel interessanter ist doch, dass man überhaupt die Awards zurückgenommen hat. Der Linebacker ist nicht der erste Sportler in den USA, dem Doping in einer Saison, die ihm etwaige Preise einbrachte, quasi bewiesen wurde. Man denke da etwa an den Baseballstar Alex Rodriguez, der zugegeben hat, 2003 gedopt gewesen zu sein. In dem Jahr gewann er den MVP-Award, der ebenfalls von der AP vergeben wird. Diesen durfte er aber behalten.

Warum nimmt man nun also Cushing seinen Preis wieder ab? Vielleicht, weil die Saison noch frisch ist sozusagen? Anders kann ich es mir nämlich nicht erklären, denn ansonsten müsste man bei jedem Spieler, dem Doping irgendwann nachgewiesen wurde schauen, ob dieser auch in einer Saison gedopt hatte, in der er einen Preis bekam. Und das könnte kompliziert werden, vor allem auch aus rein logistischen Gründen.

Auf einem ganz anderen Papier steht, ob man Cushing auch nach der Erkenntnis, dass er nachgeholfen hat, noch einmal wählen kann. Und es taten genügend Wähler, so dass er seinen Award behalten wird. Wie kann man es aber mit seinem Gewissen vereinbaren, einen Betrüger erneut mit einer individuellen Ehrung für seine sportliche Leistung zu würdigen? Eine sportliche Leistung, die offensichtlich nicht auf natürlichem Wege herbeigeführt wurde. Dies sendet natürlich eine fragwürdige Nachricht: „Uns ist es egal, ob ihr dopt, die Leistung zählt.“ – „Liebe Kinder, dröhnt euch mit allem Möglichen zu, Hauptsache, es steigert die Leistung!“ Unglaublich, so etwas!

Ich für meinen Teil halte die Neuwahl für überflüssig, schließlich hat man nachweislich in ähnlichen Fällen in den anderen Sportarten auch nicht reagiert. Zudem ist es „nur“ eine individuelle Auszeichnung seitens der Presse. Der Spieler bekommt kein Geld dafür – außer vielleicht als Bonus in seinem Vertrag, aber den könnte das Team zurückfordern – und ist eigentlich schon genug mit der Spielsperre und dem Gehaltsverlust in der Zeit bestraft. Ich will zwar die Bedeutung eines solchen Awards nicht kleiner machen, als sie ist, aber da gerade im Football der Erfolg des einzelnen kaum etwas wert ist, ist der Stellenwert eines Awards einfach zu gering. Und was ist eigentlich, wenn man nun einen anderen Spieler zum Rookie des Jahres gewählt hätte und es sich in einem Monat herausstellt, dass auch der gedopt hatte?!

Und wenn man mich zwingen würde, dennoch neu zu wählen – vorausgesetzt, man hätte mich beim ersten Mal schon gefragt – dann würde ich Cushing natürlich nicht noch einmal wählen. Doping ist ein riesiges Problem im Sport und gerade im Football hat man lange genug die Augen davor verschlossen, so dass es langsam an der Zeit ist, hier härter durchzugreifen als bisher. Hier wäre es angebracht, wenn Commissioner Roger Goodell seine proaktive Haltung gegenüber Fehlverhalten außerhalb des Spiels auch auf den Kampf gegen Doping übertragen könnte.

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Kolumnen - This Week in Football

Marcus Blumberg

 
blumberg2Marcus Blumberg ist 26 Jahre alt und stellvertrender Chefredakteur bei AFinsider.de und für den Inhalt verantwortlich. Des Weiteren bloggt er, aktualisiert das TV-Programm und führt die wöchentliche Kolumne This Week in Football.
Neben dem Germanistik- und Philosophie-Studium in Göttingen ist der Fan der Patriots und Eagles mit der Leitung der Redaktion bei Baseballinsider.de beauftragt.