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AFinsider.de Previews 2010: Arizona Cardinals

 
Autor: Dominik Breuer Dienstag, 31. August 2010
 

arizonaArizona hat nun einige Jahre die führende Rolle der NFC-West genießen können, doch muss nun der Tatsache ins Auge sehen, dass einige Leistungsträger nicht mehr im Team sind. Deshalb sind die Ambitionen etwas verhaltener und man versucht einfach mit neuen Spielern zu alter Stärke zu finden. So muss man bei den Cardinals noch finden, ob Matt Leinhart oder der eingekaufte Derek Anderson das Ruder von Kurt Warner übernehmen werden. Allerdings sind auch defensiv einige Lücken zu füllen. 

Obwohl in den letzten Jahren die Ambitionen gen Super Bowl formuliert wurden, dürfte dieses Jahr die Teilnahme an den Playoffs schon als Triumph zelebriert werden. In dieser Ausgabe der AFinsider.de Previews beleuchten wir, wo sich die Cardinals nach recht namhaften Personalveränderungen in der NFL einsortieren dürften. 

Rückblick auf 2009

2009 konnten sich die Cardinals, nach knappem verpassen des Super Bowls im Vorjahr, erneut auf die Leitung des erfahrenen Kurt Warner stützen. Kein Wunder also, dass primär das Passspiel zum Erfolg führte, zumal man mit Larry Fitzgerald und Anquan Boldin zwei Stars als Receiver zur Verfügung hat. So landete man in den Top-10 der NFL in der Kategorie Pass-Yards und konnte somit auch wieder die NFC West für sich behaupten. Mit den Vikings und Giants wurden sogar zwei vermeintlich starke Teams besiegt, die nicht aus der schwachen eigenen Division kamen. Dafür musste handelte man sich jedoch zwei Niederlagen gegen die 49ers ein. Unter anderem führte das recht verhaltene Laufspiel dazu, dass gegen gute Abwehrverbände Probleme auftraten. Rookie Beenie Wells fand erst spät zu seiner Form und konnte somit ein schlagfertiges Duo mit Tim Hightower bilden. Defensiv spielten die Cardinals zwischenzeitlich recht stark, doch in entscheidenden Momenten ließen sich Fehler nicht vermeiden, sodass am Ende oft mehr Punkte erlaubt wurden als unbedingt nötig.

Fakt ist, dass man am Ende mit einer Bilanz von 10-6 die des Vorjahres (9-7) leicht übertroffen hatte und somit in die Playoffs einzog. Dort konnte man noch die Packers ausschalten, welche zuvor in der Regular Season noch für eine bittere 33-7 Pleite gesorgt hatten. Gegen den späteren Super-Bowl-Sieger, die New Orleans Saints, musste das Saisonziel jedoch aufgegeben werden. Eine durchaus positive Saison endete für die Cardinals ohne Titel.

Transfers

Zugänge

QB Derek Anderson (Free Agent, Browns)
DB Kerry Rhodes (Trade, Jets)
LB Joey Porter (Free Agent, Dolphins)
K Jay Feely (Free Agent, Jets)
G Alan Faneca (Free Agent, Jets)
DT Pat Williams (Draft, Tennessee)
LB Daryl Washington (Draft, Texas Christian)
WR Andre Roberts (Draft, Citadel)
DE O’Brian Schofield (Draft, Wisconsin)

Abgänge

QB Kurt Warner (Karriereende)
WR Anquan Boldin (Trade, Ravens)
DB Antrel Rolle (Entlassen, Giants)
LB Karlos Dansby (Free Agent, Dolphins)

Mit Kurt Warner und Anquan Boldin sind zwei wichtige Bestandteile der Offense aus Arizona verschwunden. Warner beugte sich dem Zahn der Zeit und erkannte, dass er nun anderen Dingen nachgehen möchte, während Boldin seinem Wunsch nach einem besseren Vertrag nur bei einem neuen Team näher kommen konnte. Folglich wurde mit Derek Anderson ein erfahrener Mann geholt, der Matt Leinhart ein wenig Konkurrenz bieten soll, da dieser bisher den Anforderungen eines Erstrundenpicks nicht gerecht werden konnte. Bei den Receivern fühle man sich recht gut aufgestellt und zog erst spät im Draft ein Nachwuchstalent (Andre Roberts). 

Ebenfalls einbüßen musste man Leistungsträger in der Defensive. Mit Karlos Dansby und Antrel Rolle sind führende Spieler in Sachen Tackles und auch Turnovers oder Sacks zu anderen Teams gewechselt. Die Abwehr der Cardinals spielte zwar solide, ist aber nicht so tief bestückt, dass solche Wechsel problemlos hingenommen werden können. Joey Porter soll versuchen die Lücke die Dansby hinterlässt zu schließen oder wenigstens den Rookie Washington in eine aussichtsreiche Position bringen. Allgemein lag der Fokus beim Draft auf der Defensive, denn auch in der ersten Runde entschied man sich für einen Abwehrspieler, der die Line verstärken soll. Rhodes soll zudem dafür sorgen, dass der Abgang von Rolle besser kompensiert werden kann. 

Insgesamt haben die Cardinals stark an Qualität verloren in dieser Offseason. Zwar hat man auch ein paar erfahrene Spieler anwerben können, doch ein Derek Anderson hat noch nicht bewiesen, dass er ernsthaft als Ersatz für einen Kurt Warner in Frage kommen würde. Somit sind zwar Bemühungen festzustellen, was das Verstärken eines früh ausgedünnten Kaders angeht, doch qualitativ haben die Cardinals sicher einen Schritt zurückgetan. Denn auch die jungen Talente, müssen sich erst in der NFL einfügen und es wurde bereits oft gesehen, dass dies nicht immer binnen einem Jahr geschieht. 

Offense

Arizona wird eine eindrucksvolle Veränderung in der Offense zeigen, wenn die Saison 2010 beginnt. Nicht nur, dass Warner und Boldin als regelmäßige Playmaker fehlen, sondern durch diese Abgänge und die zuletzt gute Entwicklung von Beenie Wells wird das Laufspiel sicher eine größere Rolle spielen. Man wird sich auf ähnliches einstellen können, was Coach Whisenhunt schon aus Steelers-Zeiten kennt. Erschwerend hinzu kommt noch, dass während der Pre-Season noch keine Entscheidung bezüglich des neuen Quarterbacks getroffen werden konnte. Weder Matt Leinhart noch Derek Anderson überzeugten und auch wenn keiner von beiden komplett aus dem Ruder geriet, so war doch deutlich, dass Warner vermisst werden wird. Neben Larry Fitzgerald wird Steve Breaston wohl vermehrte Ballkontakte verzeichnen dürfen. Er hat bereits als dritter Receiver versprechende Dinge gezeigt und auch bei Verletzungen der damaligen Stars gut als Ersatz fungiert. Sicherlich muss auch er sich erst an den neuen Quarterback gewöhnen, wobei seine Schelligkeit gut zu Andersons starkem Arm passen könnte. Early Doucet wird zudem auch mehr Spielzeit bekommen, nachdem er in der letzten Saison ebenfalls ein paar gute Einsätze verzeichnet hatte. Das Passspiel bleibt also recht ungewiss, da sich die jungen Receiver noch hinter Fitzgerald einordnen müssen und die beiden Kandidaten für die Quarterbackposition unterschiedliche Stile und Präferenzen haben.

Bleibt also das Laufsspiel. Tim Hightower hat sich im Laufe der Karriere etwas steigern können und ist nicht mehr nur als Running-Back im Passspiel relevant. Auch Beenie Wells hat anfängliche Startschwierigkeiten überwunden und es auf einige Yards gebracht. In der Pre-Season hat man einiges von beiden sehen können und es ist deutlich, dass sie mehr als genug Chancen bekommen werden, die mageren Statistiken des Vorjahres zu verbessern. Allerdings müssen dazu beide Backs an ihrer Ballsicherheit arbeiten, da ihnen bisher zu leicht der Ball verloren ging, wenn es turbulent wurde. Das dies nicht leicht in den Griff zu bekommen ist, zeigt das Beispiel eines Adrian Peterson, der weiterhin Probleme zu haben scheint. Nach den beiden Top-Läufern gibt es noch einige Situationsspieler, die eine vereinzelt in die Offense eingebunden werden dürften. So wird LaRod Stephens-Howling sicherlich das ein oder andere Mal hinter dem Quarterback zu finden sein.

Es kommt zwar nicht oft vor, doch die Cardinals werden wohl eine komplette Umkehr ihrer offensiven Balance erfahren. Brauchte man die letzten paar Jahre kaum auf den Lauf zu achten, wird er nun eine wichtige Waffe im Spiel. Bisher ist noch nicht gesagt, dass das Laufspiel tatsächlich auf Trab kommen wird, da die Offensive Line schon im Vorjahr nicht immer die beste Vorarbeit leistete und die vereinzelten Neulinge sich erst einfinden müssen. Sollte Matt Leinhart seine Collegeleistung endlich auf die NFL übertragen können, so würden sich einige Probleme der Cardinals lösen, doch die Anzeichen dafür stehen momentan noch schlecht. Mit Derek Anderson als potentiellem Starter würde vermutlich noch mehr gelaufen werden, da er zwar Kraft besitzt, dies aber leider auf Kosten der Genauigkeit geht. Man darf sich also eine komplett andere Offense der Cardinals erwarten, wobei der Erfolg dieser Umstellung wohl mehr als zweifelhaft sein dürfte. Jedenfalls wird es interessant sein, die Entwicklung dieses Mannschaftsteils während der Saison zu verfolgen, und so manches mal wird es den Kommentatoren schwer fallen, nicht nach Kurt Warner zu fragen. 

Defense

Die große Frage wird sein, ob Arizona erneut genug Turnovers generieren kann und nach vorne aggressiv genug stehen wird, um einzelne Spiele auch einmal über die Defensive zu gewinnen. Da eine geringere Leistung der Offense zu erwarten ist, lastet auch eine größere Verantwortung auf der Abwehr, da man nun nicht mehr ohne weiteres drei Touchdowns des Gegners kompensieren kann. Mit Dansby und Rolle sind zwei erfahrene Spieler gegangen, welche in eben jenen Bereichen maßgeblich beteiligt waren. Großes wird somit von Dominique Rodgers-Cromartie und Adrian Wilson erwartet, wobei die zugereisten Rhodes und Porter ebenfalls direkt an ihre Leistungsgrenze gehen müssen. Auch Stevie Baggs muss weiterhin die Leistungskurve nach oben ziehen. Mit Darnell Dockett und Calais Campbell verfügt man über einige bekannte Gesichter, die durchaus in der Lage sind Druck nach vorne auszuüben und die gegnerische Offense zur Eile und zu Fehlern zu zwingen. In der Secondary wird man weiter eine aggressive Spielweise bevorzugen und auf Turnovers hinaus sein, doch der Erfolg steht und fällt mit der Arbeit der Line und der äußeren Linebacker. Hier muss sich zunächst zeigen, ob die Gruppe auch ohne Dansby ähnlich erfolgreich sein kann oder ob man nun zu sehr in Not gerät da man weniger solide gegen den Lauf steht und nicht so dominant gegen die Offensive Line vorgehen kann.Auch die Rookies werden eine Rolle spielen, wenn es darum geht die Line und die Linebacker-Gruppe zu verstärken. Eine gute Mischung aus Erfahrung und frischen Kräften wird hier mittelfristig bessere Ergebnisse erzielen. Da außer Frage steht, das die Cardinals vermutlich erst nächstes Jahr wieder voll angreifen können, werden die jungen Spieler reichlich Einsatzzeit bekommen. Dies wird besonders der Fall sein, wenn die Veteranen nicht die bekannte Leistung zeigen, oder aber die Saison an einem bestimmten Punkt aussichtslos verläuft. Auf den Rookie Schofield muss man zunächst leider verzichten, da dieser wenigstens den Beginn der Saison auf der „Injured Reserve“ oder „Physically Unable to Perform“ Liste verbringen wird, nachdem er sich einen Kreuzbandriss zuzog, bevor die College-Saison zu Ende ging. Allerdings werden von ihm, vermutlich als Linebacker, mittelfristig gute Leistungen erwartet, da sein Talent deutlich höher als in der vierten Runde anzusiedeln ist. 

In Arizona muss man die Ära Warner zu den Akten legen und den Blick nach vorne richten. Unglücklicherweise hat man sowohl in der Offense als auch in der Defense große Einschnitte gleichzeitig gemacht, doch dies kann eine Chance werden, in beiden Mannschaftsteilen junge Spieler zu entwickeln. Gerade in der Defensive wird Rodgers-Cromartie, der in der Pre-Season bereits gute Leistungen zeigt, seinen Namen weiter in die Schlagzeilen spielen und auch Wilson wird nun etwas öfter glänzen können.

Der Spielplan wird vermutlich eine ähnliche Ausrichtung haben wie 2009, doch wird die Effizienz stark von der Integration der neuen Spieler abhängen. Während letzte Saison noch Leistungsschwankungen zu erkennen waren, sollten die Cardinals dieses Jahr von Beginn an daran arbeiten, eine konstante Abwehr zu schaffen. Qualitativ ist die Secondary immer noch gut genug, um gegnerische Quarterbacks zu ärgern, doch dazu muss der Rest stimmen. Ob das Paket gegen den Lauf erfolgreich sein kann, wird sich spätestens gegen die 49ers zeigen, welche bekanntlich recht laufstark agieren und in der Division als Favorit gelten. 

Special Teams

Wenn man schon in der Offense und Defense Stammkräfte ziehen lässt und neue Wege beschreitet, so soll es auch bei Special Teams Zeit für einen Neuanfang sein. Man trennte sich von Neil Rackers und brachte einen weiteren Jet, Jay Feely, nach Arizona. Beide Kicker waren vergleichbar solider Natur, weshalb Feely durchaus in der Lage sein sollte die nötigen Punkte zu erzielen und den Gegner in der eigenen Hälfte zum Kick-Return zu zwingen. 

Mit Stephens-Howling ist der Experte für Kick-Returns bei den Cardinals geblieben. Schon 2009 machte er den gegnerischen Special-Teams-Trainern die Arbeit schwer und es ist somit zu erwarten, dass die Cardinals erneut als gefährlich einzustufen sind, wenn sich des Gegners Kicker den Ball zurecht legt. Dies dürfte jedoch dieses Jahr wichtiger sein als noch 2009, da die Offene die bessere Feldposition nun dringender braucht. Mit Justin Miller hat man zudem noch einen Defensive Back aus New York verpflichtet, der sich in der Pre-Season bereits im Returnspiel bezahlt gemacht hat und somit etwas Abwechslung in diesen Spielabschnitt bringen kann. 

Prognose für 2010

Die Cardinals werden ein großes Fragezeichen sein. Weder Offense noch Defense kommen weitestgehend unverändert in die neue Saison, sodass viele neue Teile zusammen finden müssen. In der Pre-Season konnte man nur bedingt Einblicke in die Kapazitäten der neuen Formationen gelangen, sodass die ersten Saisonspiele zeigen müssen, wo Arizona steht. Die Offense wird wohl weniger effizient sein, obwohl der ein oder andere Spieler die nötige Klasse hat ein paar überraschende Plays zu machen. Auch defensiv wird man nicht übermächtig sein. Als Vorteil gilt dann, dass man in der NFC West spielt und somit jeweils zwei Spiele gegen Seattle und die Rams bestreitet. Beide Teams sind ebenfalls in Umbauphasen und mit Fragezeichen, Problemzonen und Unbekannten gespickt, sodass hier ein paar Siege möglich sein sollten. Insgesamt ist es aber eher unwahrscheinlich, dass Arizona erneut die Division gewinnt. Vermutlich wird man sich mit Seattle um den zweiten oder dritten Platz hinter den 49ers streiten. Allerdings hat die NFL bisher immer mit unerwarteten Entwicklungen aufgewartet, sodass man bei so viel Ungewissheit im Kader auch eine positive Überraschung nicht ganz ausschließen kann.

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