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AFinsider.de Previews 2010: San Diego Chargers

 
Autor: Dominik Breuer Donnerstag, 02. September 2010
 

sandiegoSan Diego kann mit der letzten Saison eigentlich recht zufrieden sein, wäre da nicht wieder die Schwäche in den Playoffs gewesen. Also wird man sich für 2010 wieder viel vornehmen und die Offseason hat schon einiges an Schlagzeilen mit sich gebracht. Man ließ LaDanian Tomlinson ziehen und verpflichtete Darren Sproles nicht langfristig, draftete dafür aber einen neuen Running Back. Zudem konnte man sich bisher mit dem Top-Receiver der letzten Spielzeiten, Vincent Jackson, nicht auf einen neuen Vertrag einigen, weshalb dessen Verbleib und auch Teilnahme an der aktuellen Saison sehr fraglich ist. Kurz um: In San Diego mischt man die Karten kräftig durch in der Hoffnung endlich einmal Ende Januar oder gar im Februar Spiele bestreiten zu dürfen. Norv Turner jedenfalls ist sehr gespannt, denn langfristig werden ihn gute Regular-Season-Ergebnisse nicht im Amt halten, wenn die Leistung nicht bald in die Playoffs übertragen werden kann.

In dieser Ausgabe der AFinsider.de Previews nehmen wir die Chargers unter die Lupe und zeigen auf, ob sie erneut einen Quasi-Durchmarsch in die Playoffs schaffen können und ob es vielleicht sogar zu mehr reichen könnte. 

Rückblick auf 2009

Die Chargers feierten Jubiläum: seit 50 Jahre in der AFL und 40 davon in der NFL, eine stolze Leistung. Dies zelebrierte man auch auf dem Platz gebührend. Trotz Zweifel an einem Shawne Merriman und einem alternden LT konnte man die magere Bilanz von 8-8 aus dem Vorjahr auf 13-3 korrigieren und somit sogar die zweitbeste Saison der Vereinsgeschichte verbuchen. Für Norv Turner war es gar die beste als Trainer überhaupt. Neu für die Chargers war dabei, dass das Passspiel eine noch größere Rolle spielte. Lag alle Hoffnung vor wenigen Jahren noch bei LT, so hat Philip Rivers nun das Ruder übernommen. Mit Vincent Jackson, Antonio Gates und verschiedenen anderen Receivern gestaltete er ein attraktives und angriffslustiges Passspiel, wodurch Darren Sproles und LT etwas mehr Luft für das Laufspiel bekamen. Defensiv war man zwar noch lange nicht so stark wie einst, doch auch hier konnte man die Gegner recht gut im Griff halten und der Spielplan hatte einige fähige Offensivkräfte für San Diego bereit gehalten, man denke nur an Dallas, das Laufspiel der Titans oder auch die Bengals der 2009er Saison. Allerdings half es natürlich ungemein zwei Spiele gegen Kansas City und auch Oakland bestreiten zu dürfen. 

Die Regular Season wurde also ein wahrer Erfolg, obwohl der Start mit 2-3 Siegen noch holprig verlief und Kritker und Fans sich die Haare rauften. Am Ende sollte jedoch das bekannte Problem der Post-Season wieder einsetzen. Schon im ersten Spiel war nach einer blassen Vorstellung gegen die Jets der Playoff-Auftritt beendet und Fragen nach Norv Turners Fähigkeiten als Coach in den wichtigen Spielen wurden lauter. 2010 soll nun also der Anlauf werden, der eben diese Fragen verstummen lässt.

Transfers

Zugänge

RB Ryan Matthews (Draft, Fresno State)
LB Donald Butler (Draft, Washington)
FS Darrell Stuckey (Draft, Kansas)
TE Randy McMichael (Free Agent, Rams)
WR Jeff Reed (Free Agent, Bills)

Abgänge

RB LaDainian Tomlinson (entlassen, Jets)
RB Michael Bennett (entlassen, Raiders)
DT Jamal Williams (entlassen, Broncos)
OT Tra Thomas (Karriereende)
DB Antonio Cromartie (Trade, Jets)
QB Charlie Whitehurst (Trade, Seahawks)

Obwohl es bei den Chargers viel Stimmung bezüglich der Personalpolitk gab, sind die nennenswerten Zu- und Abgänge überschaubar. Man gestattete dem abwanderungswilligen LT seine zweite Chance bei den Jets zu suchen und mit dem Trade für Antonio Cromartie sicherte man sich eine aussichtsreiche Draftposition in 2011. Zwar hat man somit etwas Talent auf der Cornerback-Position eingebüßt, doch hat Cromartie in San Diego nicht immer nur durch Leistung Schlagzeilen gemacht. Mit dem Draft von Ryan Matthews und dem Franchise Tag auf Darren Sproles hat man sich zudem für das Laufspiel besser aufgestellt. Matthews wird von vielen Experten als Rookie des Jahres gehandelt und erinnert an den jungen LT, was natürlich bei Fans große Hoffnungen schürt. Mit Charlie Whitehurst hat man einen bisher eher unwichtigen Quarterback nach Seattle abgegeben. Da Billy Volek der Ersatz für Rivers war und ist, konnte man so noch einen recht positiven Deal einflechten, der für die Zukunft von Bedeutung sein könnte.

Für die Defensive verstärkte man sich auch hauptsächlich im Draft. Zwar sind noch einige Gerüchte um den Status des Shawne Merriman im Raume, doch im großen und ganzen scheint man mit der Entwicklung der Abwehr im Vorjahr nicht unzufrieden zu sein. Mit Donald Butler und Darrell Stuckey hat man zwei junge Talente verpflichtet, welche nun in die Mannschaft integriert werden sollen. Erfahrene Mentoren gibt es in San Diego für beide Positionen ausreichend. 

Während San Diego eher durch das Aufgeben bekannter Namen aufgefallen ist und mit Zurückhaltung bei langen Verträgen von Darren Sproles, aber auch Vincent Jackson, die Medien auf Trab hielt, sind einige junge und gezielte Verstärkungen in Kalifornien eingetroffen. Das Potential ist definitiv vorhanden und Norv Turner wird mit seinem Stab das Nötige tun, um die neuen Puzzleteile ins Gesamtbild zu integrieren. 

Offense

Man hat sich nach Jahren der abfallenden Leistung von LT getrennt und zunächst machte sich Sproles Hoffnung auf den Job des Nummer-1-Running-Backs. Allerdings wurde ihm mittels Franchise Tag und dem Draft von Matthews recht bald vor Augen geführt, dass seine Größe und sein Stil in San Diego nicht als tauglich für drei Downs eingestuft werden. Nun ist es ohnehin so, dass die Chargers in den letzten Jahren den Ball lieber werfen, doch Probleme um den besten Receiver Jackson und die erhoffte Leistungssteigerung auf der Running-Back-Position könnten hier eine kleine Wende bringen. Matthews wird jedenfalls ab Woche 1 reichlich Laufversuche erhalten. Schon in der Pre-Season hat er bewiesen, dass er auch in der NFL Lücken finden und Verteidiger umlaufen kann. Sproles wird weiterhin der Back für die Tempowechsel oder auch das Passspiel bleiben. Die Chargers sollten auch an ihrer Offensive Line gearbeitet haben, sodass das Laufspiel etwas effizienter stattfinden kann. In den Vorbereitungsspielen waren hier positive Tendenzen zu erkennen. Es war deutlich, dass LT sich in San Diego nicht mehr wohl fühlte und seine Leistung nicht mehr brachte. Mit Matthews hat man einen sehr guten Rookie geholt, weshalb das Laufspiel deutlich an Gefahr gewinnen wird.

Im Passspiel wird momentan der Status von Vincent Jackson zu einem Hauptproblem erklärt. Sicherlich ist ein Receiver von solch großer und athletischer Statur eine wichtige Waffe für den Quarterback. Philip Rivers hat jedoch bereits gezeigt, dass er auch mit den Receivern Malcolm Floyd und Legedu Naanee die nötigen Yards erarbeiten kann. Dies galt sowohl über Strecken der letzten Saison als auch in der aktuellen Vorbereitung. Vor allem Floyd wird vom Ausfall Jacksons profitieren. Selbst wenn Jackson sich mit den Chargers einig wird, muss eine dreiwöchige Sperre der NFL absitzen. Nicht vergessen darf man bei der ganzen Aufregung um die Receiver, dass man noch einen der besten Tight Ends für das Passspiel in seinen Reihen hat: Antonio Gates. Sofern auch dieser gesund bleibt, dürfte Rivers, der nach und nach richtig aufblüht, auch weiterhin keine Probleme haben ein ernstzunehmendes Passspiel zu gestalten. 

Die große Frage für die kommende Spielzeit wird sicherlich das Verhältnis zwischen Lauf- und Passspiel sein. Matthews sollte die Effizienz am Boden steigern können, was häufigere Laufspielzüge wahrscheinlich mach. Dies wird Rivers auch erleichtern den Ball tief auf diverse Receiver zu werfen. Auch ohne Vincent Jackson wird dies gelingen, wenngleich die Dosis der Pässe etwas zurückgefahren werden dürfte. Man darf also eine etwas ausgeglichenere Offense erwarten, allerdings wird Rivers die Führung des Teams nicht so leicht abgeben, und gar nicht an einen Rookie. Es heißt bekanntlich „Never change a winning Team“ und nach diesem Motto wird Norv Turner auch weiterhin seinem Quarterback das Vertrauen schenken. Die Steigerung auf der Running-Back-Position macht die Chargers jedoch noch gefährlicher, da etwas unberechenbarer.

Defense

Die Chargers mussten sich von etwas schwächeren Zeiten erholen. Shawne Merriman war nicht mehr „Lights Out“ sondern nur ein Schatten seiner selbst und auch Antonio Cromartie war nicht so zuverlässig wie einst. Allerdings wuchsen somit andere Spieler, wie Steve Gregory, der nun auch eine gute Vorbereitung in der Secondary absolviert. Der junge Larry English wird derweil auf seine Rolle als Outside-Linebacker vorbereitet, sodass ein eventueller Abgang von Merriman, oder ein erneuter Leistungsabfall, zu kompensieren wäre. English spielte zuvor eher Defensive-End, wurde aber öfter in Rushsituationen eingebunden. Auch von seiner Größe her, kann er ein guter Linebacker werden. Mit Eric Weddle verfügt man weiterhin über einen hervorragenden Safety und auch Quentin Jammer darf man eine solide Saison zutrauen. Antoine Cason konnte letztes Jahr noch nicht wirklich überzeugen, doch wird mit etwas mehr Erfahrung sicherlich ein wichtigerer Bestandteil der Secondary werden. Betrachtet man also die Fähigkeiten in der Secondary, so haben die Chargers genügend Spieler, die den Abgang von Cromartie wenigstens teilweise ersetzen können. Sofern sich die Nachfolger auch auf das sportliche konzentrieren, könnte dies erheblich zur Teamleistung und dem Gesamtauftritt der Abwehr beitragen.

Die etwas unklarere Situation stellt sich wie angesprochen bei den Linebackern dar. Shawne Merriman ist noch nicht wieder in alter Form und wird diese eventuell nicht mehr erreichen oder gar das Team verlassen wollen. Shaun Phillips hat bessere Zeiten erlebt und Larry English muss sich auf der Position zunächst beweisen. Darry Beckwith, seit letztem Jahr bei den Chargers, zeigt sich in der Pre-Season als durchaus zuverlässig und könnte sich in die Diskussion um Spielzeit auf der Position einmischen. Enzig Stephan Cooper, der bereits in der Vorsaison herausragende Leistung brachte, ist momentan in Top-Verfassung. Das Potential ist sicherlich hoch in dieser Gruppe, jedoch wird die Leistung zuletzt nur unzuverlässig abgerufen. Wenn die Veteranen zu ihrer alten Form finden und die jungen Spieler sich im Training weiter gut entwickeln, kann diese Truppe weiterhin große Probleme für gegnerische Quarterbacks herbeiführen. Doch ein paar Fragezeichen bleiben bis dahin. Besonders die Koordination mit der Defensive Line muss stimmen, was im Vorjahr, leider auch verletzungsbedingt, nicht immer einwandfrei geklappt hat.

Die Chargers verfügen über eine gefährliche Mischung aus Erfahrung und jungem Talent. Die Kunst wird es sein, diese Spieler so zusammenzubringen, dass sich eine Einheit aus der Abwehr bildet, die sich der einzelnen Spezialitäten bedient. Wenn Merriman zu alter Form findet, würde dies für den Abwehrverband Großes bedeuten, doch momentan ist hier keine Tendenz in Sicht. Man darf sich erneut auf angriffslustige Rushes und verbesserte Formationen gegen den Lauf freuen, wenn die Chargers auf dem Spielfeld sind. Man wird versuchen den gegnerischen Quarterback zu zwingen die Secondary herauszufordern, da sich dort mehr Gefahr verbirgt als einige Namen erahnen lassen. Insgesamt macht die Abwehr auf jeden Fall einen Schritt nach vorne. Da viele junge Spieler involviert sind und einige Veteranen noch Luft nach oben haben, kann diesem Mannschaftsteil einiges gelingen.

Special Teams

Nate Kaeding, Darren Sproles, Mike Scifres. Eigentlich bedarf es keiner weiteren Ausführungen zu den Special Teams der Chargers. Kaeding ist ein sehr treffsicherer Kicker, der vielleicht ab und an etwas weniger Nerven zeigen müsste. Über die Jahre hinweg hat und wird er jedoch große Dienste leisten und die Chargers im Zweifel um drei Punkte oder eine gute Feldposition bereichern. Gleiches gilt auch für den Punter Scifres, der eine sehr gute Reichweite und verlässliches Timing hat. Durch das gute Sortiment an Ersatzspielern bei den Chargers sollte die Coverage bei Kicks und Punts die Beinstärke beider auch in entsprechend kurze Returns der Gegner verwandeln können. 

Darren Sproles wird wieder die Vielzahl der Returns übernehmen. Vielleicht hat er dabei bisher nicht die meisten Yards oder Touchdowns vorzuweisen, aber sein Laufstil macht ihn zu einer gefährlichen Waffe und er wird auch dieses Jahr die nötigen Yards erlaufen, sodass Rivers und Matthews die Chargers nicht aus der eigenen Endzone nach vorne bringen müssen.

Insgesamt wenig neues in diesem Bereich, sodass die Chargers weiterhin auf solide Spielzüge der Special Teams hoffen dürfen. Etwas weniger Nervosität gepaart mit Konzentration bei der Coverage dürfte vereinzelte Probleme der Vorjahre ebenfalls minimieren. 

Prognose für 2010

Die Chargers sind bereit für eine neue Saison. Mit den Chiefs und den Raiders sollte die Division nicht so schwierig zu gewinnen sein und ehe sich McDaniels Politik bei den Broncos nicht bezahlt macht, darf man davon ausgehen, dass die Chargers um Platz 1 in der Gruppe spielen werden. Die Playoffs sind also in Reichweite, doch was ist danach möglich? Ob mit oder ohne Jackson, das Passspiel bleibt weiter Kern der Offense, nur das man diesmal mit einem gesünderen Laufspiel bessere Möglichkeiten hat die Zeit zu verwalten und kuzre Distanzen zu bearbeiten. Zudem wird sich die gegnerische Passdeckung etwas lockern, was sicher kein Nachteil sein wird.

Der größte Fortschritt dürfte jedoch defensiv erzielt worden sein, denn hier wurde durch verschiedene personelle Veränderungen etwas mehr Klarheit und Disziplin geschafft und auch der Status von Merriman wird sich hoffentlich bald ergeben. Die Mischung aus Erfahrung und Talent stimmt und einige der jungen Spieler konnten sich letzte Saison ihre ersten Erfahrungswerte sammeln. Insgesamt ist das Team besser eingespielt und sollte disziplinierter in die Saison starten. Schaffen es die Chargers somit gar zum Super Bowl? Als Football-Fan weiss man nur eines gewiss: es ist faktisch unmöglich, dies vor der Saison zu sagen. Qualitativ dürften die Chargers in den Playoffs sicher eine Rolle spielen, doch es gibt einige andere gute Teams, die Norv Turner zu gerne erneut die Tour vermasseln wollen und auch können.

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